Teil eines Werkes 
5. Abt., 1. Bd. (1863)
Entstehung
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Der Arzt, der nach beiden Richtungen hin beſorgt zu werden begann, verließ einen Augenblick Marius, trat zu Herrn Gillenormand und ergriff deſſen Arm. Der Greis wandte ſich um, ſah ihn mit weit aufgeriſſenen Augen an und ſagte ruhig:

Mein Herr, ich danke Ihnen. Ich bin gefaßt; ich bin ein Mann, ich habe den Tod Ludwig XVI. geſehen und weiß die Ereigniſſe zu tragen. Eine Sache iſt aber fürchterlich, zu denken, daß es Ihre Zeitungen ſind, die das Böſe vollbringen. Sie haben Schreiber, Sprecher, Advokaten, Redner, Fortſchritt, Aufklärung, Menſchenrechte, Preßfreiheit, und ſo bringt man ihnen ihre Kinder in das Haus zurück! Ach, Marius, das iſt entſetzlich! Getödtet! Todt vor mir! Eine Barrikade! Ha, der Bandit! Doctor, ſie wohnen in dieſem Stadtviertel, glaube ich? Oh, ich kenne Sie wohl, ich ſehe von meinem Fenſter aus Ihr Cabriolet vorüberfahren. Ich will Ihnen Etwas ſagen: Sie würden Unrecht haben, zu glauben, daß ich in Zorn gerathen könnte. Gegen den Todten geräth man nicht in Zorn. Das wäre einfüältig. Er iſt ein Kind, das ich erzogen habe. Ich war ſchon alt, als er noch klein war. Er ſpielte in den Tuilerien mit ſeinem kleinen Wagen und ſeinem Spaten und, damit die Aufſeher nicht zanken ſollten, warf ich mit meinem Stock die Löcher zu, die er in die Erde grub. Eines Tages rief er: Nieder mit Ludwig XVIII! und ging. Das iſt nicht meine Schuld. Er war ganz roſig und ganz blond. Seine Mutter iſt todt. Haben Sie bemerkt, daß alle kleine Kinder blond ſind? Woher kommt das? Er iſt der Sohn eines großen Banditen der Loire, allein die Kinder ſind unſchuldig an den Ver⸗ brechen ihrer Väter. Ich erinnere mich ſeiner, als er nur noch ſo hoch war. Es wollte ihm nicht gelingen, das D auszuſprechen. Er ſprach ſo ſanft, daß man glauben konnte, einen Vogel zu hören. Ich erinnere mich, daß