Teil eines Werkes 
5. Abt., 1. Bd. (1863)
Entstehung
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Javert ſtieg zuerſt aus, überzeugte ſich durch einen flüchtigen Blick von der Nummer über dem Thorwege, hob den ſchweren, eiſernen Hebel auf und that einen heftigen Schlag. Die Thür wurde halb geöffnet und Javert ſtieß ſie vollends auf. Der Thürhüter erſchien gähnend, halb⸗ wach, ein Licht in der Hand.

Alles ſchlief in ſeinem Hauſe. Man geht im Marais früh ſchlafen, beſonders an Tagen des Aufſtands. Dieſes gute, alte Stadtviertel, welches durch die Revolution auf⸗ geſchreckt war, hatte ſich in den Schlaf geflüchtet, wie die Kinder, wenn ſie den Knecht Ruprecht kommen hören, unter die Decken fahren. Indeß hob Jean Valjean und der Kutſcher Marius aus dem Fiaker, indem Jean Valjean ihn bei den Achſeln hielt und der Kutſcher bei den Knöcheln.

Während Jean Valjean Marius ſo trug, ließ er ſeine Hand unter deſſen zerriſſene Kleider gleiten, befühlte die Bruſt und überzeugte ſich, daß das Herz noch ſchlug. Es klopfte ſelbſt etwas weniger ſchwach, als ob die Bewegung des Wagens eine gewiſſe Rückkehr zum Leben zur Folge gehabt hätte.

Javert befragte den Portier mit dem Tone, welcher einem Beamten gegen den Thürhüter eines Aufrührers geziemt:

„Wohnt hier Jemand, der ſich Gillenormand nennt?“

„Das iſt hier. Was wollen ſie von ihm?“

„Man bringt ihm ſeinen Sohn zurück.“

„Seinen Sohn?“ fragte der Portier verdutzt.

„Er iſt todt.“

Jean Valjean, der zerriſſen und zerlumpt hinter Javert ſtand und den der Portier mit einigem Entſetzen anſah, ſagte mit einem Kopfſchütteln: Nein!

Der Portier ſchien weder die Worte Javert's, noch das Zeichen Jean Valjean's zu begreifen.