156
Javert Zeigte ſich hier als Spion erſten Ranges, der Alles beobachtet, Alles gehört, Alles geſehen und aufgefaßt hatte, indem ex glaubte, ſterben zu müſſen; der ſelbſt noch in der Todesangſt ſpionirte und auf der erſten Stufe zu dem Grabe ſeine Bemerkungen gemacht hatte.
Er ergriff Marius' Hand und fühlte nach dem Puls.
„Es iſt ein Verwundeter,“ ſagte Jean Valjean.“
„Es iſt ein Todter,“ ſagte Javert.“
Jean Valjean erwiderte:
„Nein. Noch nicht.“
„Sie haben ihn alſo aus der Barrikade hierher ge⸗ bracht?“ fragte Javert.
Er mußte ſehr in Gedanken vertieft ſein, daß er nicht mehr nach der verdächtigen Rettung durch den Abzugs⸗ kanal forſchte und nicht einmal das Schweigen Jean Val⸗ jean's auf ſeine Frage bemerkte.
Jean Valjean ſeinerſeits ſchien nur einen einzigen Ge⸗ danken zu haben. Er ſagte:
„Er wohnt im Marais, Rue des Filles du Calvaire, bei ſeinem Großvater.— Den Namen weiß ich nicht mehr.“
Jean Valjean durchſuchte Marius' Kleider, zog die Brieftaſche hervor, öffnete ſie bei dem Blatte, auf welches Marius geſchrieben hatte und reichte ſie Javert.
Es war noch hell genug, um leſen zu können. Javert hatte überdies in ſeinen Augen die phosphorescirende Kraft der Nachtvögel. Er entzifferte die wenigen Zeilen, welche Marius geſchrieben hatte und murmelte:—„Gillenormand, Rue des Filles du Calvaire, Nr. 6.“
Dann rief er:„Kutſcher!“
Man erinnert ſich an den Fiaker, der, für den Fall des Bedürfniſſes, wartete.
Javert behielt Marius' Brieftaſche.
Einen Augenblick darauf war der Wagen auf der Rampe zur Tränke herabkommend, auf dem Damme, Ma⸗
——
rius Val
und


