Teil eines Werkes 
5. Abt., 1. Bd. (1863)
Entstehung
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erkannte ihn. Ihre beiden Geſichter berührten ſich beinahe. Der Blick Javert's war fürchterlich. Jean Valjean blieb regungslos unter dem Griffe

Javert's, wie ein Löwe, der ſich die Krallen eines Luchſes

gefallen läßt.

„Inſpector Javert,“ ſagte er,„Sie haben mich. Ueberdies betrachte ich mich ſeit dieſen Morgen als ihr Gefangener. Ich gab Ihnen meine Adreſſe nicht, um zu verſuchen, Ihnen zu entkommen. Nehmen Sie mich. Nur gewähren Sie mir eine Bitte.“

Javert ſchien ihn nicht zu hören. Er heftete ſein ſtarres Auge auf Jean Valjean. Sein gefurchtes Kinn ſchob ſeine Lippen bis zu der Naſe hinauf, ein Zeichen wilder Träumerei. Endlich ließ er Jean Valjean los, richtete ſich hoch empor, nahm den Todtſchläger in die volle Fauſt und wie in einem Traume murmelte er mehr die folgenden Worte, als daß er ſie ſprach:

„Was machen Sie hier? Wer iſt dieſer Menſch?“

Er fuhr fort, Jean Valjean nicht mehr Du zu nennen.

Jean Valjean antwortete und der Ton ſeiner Stimme ſchien Javert zu erwecken:

„Eben von dieſem wollte ich mit Ihnen ſprechen. Verfügen Sie über mich, wie es Ihnen gefällig iſt; aber helfen Sie mir zunächſt, dieſen hier nach Hauſe zu bringen. Weiter verlange ich nichts von Ihnen.“

Das Geſicht Jovert's zog ſich zuſammen, wie dies jedes Mal der Fall war, wenn man ihn eines Zugeſtänd⸗ niſſes fähig hielt. Indeß ſagte er nicht Nein.

Er beugte ſich auf's Neue nieder, zog aus der Taſche ein Tuch, feuchtete es in dem Waſſer und reinigte dann Marius blutende Stirn.

„Dieſer Menſch war in der Barrikade„ſaßte er halblaut und als ob er zu ſich ſelbſt ſpräche.„Er war es, den man Marius nannte.“