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nommen, d. h. ausgenommen eine Kindheit, hatte Jean Valjean
ſeinem ganzen Leben Nichts gekannt, was er lieben konnte. Leidenſchaft und Liebe, die einander folgen, hatten bei ihm nicht jene Schattirungen des Grün gebildet, die man auf den ſüdlichen Pflanzen bemerkt, welche den Winter über dauern, ſo wie bei den Menſchen, die das fünfzigſte Jahr über⸗ ſchritten haben. Der ganze innere Kampf, deſſen Wirkung eine hohe Tugend war, führte dahin, Jean Valjean zum Vater für Coſetten zu machen; zu einem Vater, in welchem ſich auf eigenthümliche Weiſe der Großvater, der Sohn, der Bruder und der Gatte, die in ZJean Valjean lagen, verſchmolzen; zu einem Vater, in welchem ſelbſt eine Mutter lag; zu einem Vater, welcher Coſette liebte und ſie anbetete und für welchem dieſes Kind Licht, Heimath, Familie, Vater⸗ land, Paradies war.
Als er ſah, daß ſie ihm entſchieden entſchlüpfte, daß ſie ſeinen Händen entglitt, ſich ihm entzog; als er die nieder⸗ ſchmetternde Gewißheit vor Augen hatte: Ein Anderer iſt das Ziel ihres Herzens, ein Anderer iſt der Wunſch ihres Le⸗ bens; ſie hat einen Geliebten; ich bin nur ihr Vater; ich exiſtire füt ſie nicht mehr; als er an dem Allem nicht mehr zweifeln konnte, da überſchritt der Schmerz, den er empfand, die Grenze des Möglichen. Alles, was er gethan hatte, war, um dahin zu gelangen. Nichts zu ſein! Da empfand er vom Kopf bis zu den Füßen eine bebende Empörung. Er fühlte bis in die Haarwurzeln hinein das ungeheure Erwachen des Egoismus und das Ich heulte in dem Abgrund dieſes Menſchen.
Wenn der Schmerz bis zu dieſem Grade gelangt iſt, rufen alle Kräfte des Gewiſſens: Rette ſich, wer kann! Das ſind verhängnißvolle Kriſen. Wenige von uns gehen aus denſelben feſt in ihrer Pflicht hervor. Wenn die Grenze des Leidens überſchritten wird, geräth die unwandelbarſte Tugend in Verwirrung. Jean Valjean ergriff wieder das
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