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Jean Valjean trat zu dem Spiegel. Er las noch ein⸗ mal die fünf Zeilen, aber er glaubte nicht an ſie. Es war eine Täuſchung. Es war unmöglich. Es konnte nicht ſein.
Allmählig kehrte ſeine Beſinnung zurück; er betrachtete das Löſchblatt Coſettens, und das Gefühl der Thatſache erwachte in ihm. Er nahm das Löſchblatt in die Hand und ſagte:„Das kommt daher.“ Fieberhaft betrachtete er nun die fünf Zeilen auf dem Löſchpapier, aber durch die ver⸗ kehrten Buchſtaben zeigte ſich ihm nur ein Gekritzel, das keinen Sinn hatte.„Ja,“ ſagte er zu ſich,„das hat Nichts zu bedeuten; es iſt hier gar nichts geſchrieben“ Und aus voller Bruſt athmete er mit unausſprechlicher Erleichterung auf. Wer hat nicht eine ſolche einfältige Freude in fürchter⸗ lichen Augenblicken empfunden?
Er hielt das Löſchpapier in der Hand und betrachtete es, auf einfältige Weiſe glücklich, beinahe bereit, über die Täuſchung zu lachen, der er ſich hingegeben hatte. Plötz⸗ lich fielen ſeine Augen wieder auf den Spiegel und ſeine Viſion kehrte zurück. Die fünf Zeilen zeigten ſich dort in dem Glaſe mit unerbittlicher Genauigkeit. Zetzt begriff er die Sache.
Zean Valjean taumelte, ließ das Löſchblatt fallen, ſank in den alten Armſeſſel neben dem Büffet, ſein Kopf fiel auf die Bruſt, ſeine Augen ſtarrten auf ihn hin. Er ſagte ſich, die Sache ſei augenſcheinlich, das Licht der Welt wäre für immer für ihn verdunkelt, und Coſette hätte das an ir⸗ gend Jemand geſchrieben. Jetzt hörte er ſeine Seele, die wieder fürchterlich geworden war, ein dumpfes Seufzen in die Nacht hinausſtoßen.— Man nehme nur dem Löwen den Hund, den er in ſeinem Käfig hat!
Sonderbar und traurig war es, das in eben dieſem Augenblick Marius den Brief Coſettens noch nicht hatte. Der Zufall führte ihn verrätheriſch Jean Valjean zu, ehe er ihn an Marius übergab.


