Teil eines Werkes 
4. Abt., 2. Bd. (1863)
Entstehung
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bruch der Dämmerung verlaſſen, wodurch Coſette Zeit ge⸗ wann, ihr Billet an Marius zu ſchreiben. Mit Anbruch der vollen Dunkelheit hatte man die Rue de['Homme Armé erreicht.

Schweigend war man zu Bett gegangen.

Die Wohnung der Rue de LHomme Armé lag auf einem Hinterhofe in dem zweiten Stock und beſtand aus einem Schlafzimmer, einem Speiſezimmer und einer Küche, die an das Speiſezimmer ſtieß und eine Kammer hatte, in welcher ein Feldbett für die Touſſaint ſtand. Das Speiſe⸗ zimmer war zu gleicher Zeit Vorgemach und trennte die beiden Schlafzimmer von einander. Die Wohnung war mit dem nothwendigſten Geräth verſehen.

Man beruhigt ſich beinahe ebenſo thöricht, wie man ſich beunruhigt; die menſchliche Natur iſt ſo beſchaffen. Kaum war Valjean in der Rue de PHomme Armé eingezogen, als ſeine Beſorgniß ſich verminderte und allmählig ganz ver⸗ ſchwand. Er fühlte eine Art von Anſteckung der Ruhe dieſer kleinen Straße des alten Paris, die ſo eng war, daß eine Barriere ſie gegen die Wagen ſicherte und daß darin am hellen Tage Zwielicht herrſchte. Ees lag in dieſer Straße Etwas wie Vergeſſenheit. Jean Valjean athmete darüber frei auf. Wie hätte man ihn hier ausfindig machen ſollen?

Seine erſte Sorge war, den Inſéparable an ſeine Seite zu ſtellen.

Er ſchlief gut. Guter Rath kommt über Nacht, aber man kann hinzufügen: Die Nacht beruhigt. Am nächſten Morgen erwachte er beinahe heiter. Er fand das unheim⸗ liche Speiſezimmer beinahe lieblich. Es enthielt nichts als einen runden Tiſch, ein niedriges Büffet, über wel⸗ chem ein Spiegel hing, einen wurmſtichigen Armſeſſel und einige Stühle, die mit den Packeten der Touſſaint belegt waren. In einem dieſer Packete befand ſich die National⸗

gardiſten⸗Uniform Jean Valjeans. 135