m
11
Oder ſie verſetzte ihm einen leichten Schlag, weil er ſenfzte und ſagte dabei:
„Huſten Sie nicht, mein Herr; ich will nicht, daß man in meiner Geſellſchaft ohne meine Erlaubniß huſte. Es iſt ſo häßlich zu huſten und mich zu bennruhigen. Ich will, daß Du Dich wohl befindeſt, denn wenn Du nicht wohl wä⸗ reſt, ſo würde ich darüber ſehr unglücklich ſein. Was ſollte ich dann wohl anfangen?“
Das war ganz einfach himmliſch!
Einmal ſagte Marius zu Coſette:
„Denke Dir, ich glaubte einmal einige Zeit, Du hießeſt Urſula.“
Darüber lachten ſie den ganzen Abend.
Ein andermal rief er plötzlich mitten in dem Geplau⸗ der aus:
„Ach, einmal hatte ich im Luxembourg große Luſt, einen Invaliden niederzuſchlagen!“
Aber er hielt plötzlich inne und ſprach nicht weiter.
Er hätte Coſette Etwas von ihrem Strumpfband ſa⸗ gen müſſen und das war ihm unmöglich. Es lag darin eine unbekannte Berührung des Fleiſches, vor der er zurück⸗ wich, eine Art heiligen Schreckens, die ungeahnte Größe
unſchuldiger Liebe.
Marius dachte ſich das Leben mit Coſette ſo ohne ir⸗ gend etwas Anderes; jeden Abend nach der Rue Plumet zu kommen, die alte gefällige Eiſenſtange vom Gitter des Prä⸗ ſidenten bei Seite zu ſchieben, ſo Arm in Arm auf der Bank zu ſitzen, durch das Laubwerk der Bäume das Fun⸗ keln der beginnenden Nacht zu betrachten, mit dem Knie ſei⸗ nes Beinkleides das weite Gewand Coſettens zu berühren, den Nagel ihres Daumens zu liebkoſen, Du zu ihr zu ſa⸗ gen, nach einander an derſelben Blume zu riechen: das war etwas Unendliches. Während deſſen zogen die Wolken über ihren Köpfen dahin. So oft der Wind ſich regt, nimmt er


