Teil eines Werkes 
3. Abt., 2. Bd. (1863)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Na, ſagte das Kind,wir hatten gar keine Wohnung, wohin wir konnten.

Schaf! erwiderte Gavroche,man ſagt nicht Woh⸗ nung, ſondern man ſagt Neſt.

Danke, mein Herr, ſagte das Kind.

Höre, fuhr Gavroche fort,Ihr müßt nicht mehr ſo wegen nichts greinen. Ich werde für Euch ſorgen. Du ſollſt ſehen, wie man ſich gut amüſirt. Im Sommer gehen wir nach der Glacière mit Navet, einem Kameraden von mir. Wir baden und laufen ganz nackt an der Auſter⸗ litbrücke umher; darüber werden die Wäſcherinnen wüthend. Sie ſchreien, ſie zanken, ſie fluchen, und Du ſollſt nun ſehen, wie herrlich das iſt. Wir ſehen den Skelettmann. Er lebt. In den Champs Elyſées. Er iſt ganz Knochen. Und dann führe ich Euch auch in das Theater. Wir ſehen auch die Wilden. Es ſind aber keine echten, die da. Dann ſehen wir auch die Guillotine. Ich werde Euch den Henker zeigen. Er wohnt Rue des Marais. Herr Sanſon. Er hat einen Briefkaſten an der Thür. O, man amüſirt ſich ganz prächtig.

In dieſem Augenblick fiel ein Harztropfen Gavroche auf die Hand und erinnerte ihn an die Ereigniſſe des Lebens.

Verdammt! ſagte er,das Licht brennt herunter! Aufgepaßt! Ich kann nicht mehr als einen Sou monatlich für meine Beleuchtung ausgeben. Wenn man ſich niederlegt, muß man ſchlafen. Wir haben nicht die Zeit, die Romane Paul de Kock's zu leſen. Ueberdies könnte auch das Licht durch die Ritzen unſrer Hausthür fallen und die Einkeiler könnten es ſehen.

Während deſſen vervoppelte ſich der Sturm. Zwiſchen den Donnerſchlägen hörte man den Regen den Rücken des Koloſſes peitſchen. Plötzlich zuckte ein Blitz ſo blendend, als wäre er durch die Oeffnung in den Bauch des Ele