Teil eines Werkes 
3. Abt., 2. Bd. (1863)
Entstehung
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163 Wer war dieſe„Kleine“, die Thenardier auch die„Lerche“

genannt hatte? War das ſeine„Urſula“? Der Gefangene

war durch das Wort„Lerche“ allem Anſchein nach nicht

aufgeregt worden. Er hatte auch auf die natürlichſte Weiſe

von der Welt geantwortet: ich weiß nicht, was Sie wollen.

Auf der anderen Seite waren die beiden Buchſtaben U. F.

erklärt; ſie bezeichneten Urban Fabre und Urſula hieß nicht

mehr Urſula. Das war es, was Marius am deutlichſten fühlte. Eine Art verhängnißvoller Zauber hielt ihn an den Ort gebannt, von wo er den ganzen Auftritt beobachtete und überblickte. Er ſtand hier beinahe unfähig einer Ueber⸗ legung und ohne Bewegung, wie vernichtet durch die ent⸗ ſetzlichen Dinge, die er ſo in der Nähe ſah. Er wartete, indem er auf irgend ein Ereigniß hoffte, gleichviel welches. Denn er konnte ſeine Gedanken nicht ſammeln und wußte nicht, zu was er ſich entſchließen ſollte. Auf jeden Fall, dachte er, will ich ſehen, ob die Lerche ſie iſt, denn die Theénardier bringt ſie her, dann iſt Alles entſchieden. Ich gebe mein Leben und mein Blut, wenn es ſein muß, aber ich befreie ſie! Nichts ſoll mich daran hindern!

So verfloß beinahe eine halbe Stunde. Theénardier ſchien in ein tiefes Sinnen verſunken zu ſein. Der Ge⸗ fangene rührte ſich nicht. Indeß glaubte Marius in kleinen Zwiſchenräumen ſeit einigen Augenblicken ein leiſes dumpfes Geräuſch von der Seite des Gefangenen her zu vernehmen.

Plötzlich redete Thénardier den Gefangenen an:

„Herr Fabre, ſehen Sie, es iſt ebenſo gut, wenn ich Ihnen das gleich ſage.“

Dieſe wenigen Worte ſchienen der Anfang einer Auf⸗ klärung zu ſein.

Marius lauſchte:

Thenardier fuhr fort:

„Meine Gattin wird bald zurückkommen; werden Sie nicht ungeduldig. Ich denke, daß die Lerche wirklich Ihre 11*