Teil eines Werkes 
3. Abt., 2. Bd. (1863)
Entstehung
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Er ging geradenwegs nach ſeiner Allee, und als er an das Ende kam, bemerkte er auf derſelben Bank das be⸗ kannte Paar. Nur als er ſich näherte, war es wohl der⸗ ſelbe Mann, aber es ſchien ihm, als ob es nicht daſſelbe Mädchen wäre. Die Perſon, die er jetzt ſah, war eine große und ſchöne Erſcheinung, welche alle die reizenden Formen des Weibes in eben dem Augenblicke hatte, wo ſie ſich noch mit all der Anmuth der unſchuldigſten Kindheit paaren; ein flüchtiger und reiner Augenblick, den nur die beiden Worte zu bezeichnen vermögen: fünfzehn Jahre. Es waren wun⸗ derſchöne kaſtanienbraune Haare, eine Stirn, die von Mar⸗ mor zu ſein ſchien, Wangen, wie aus einem Roſenblatt ge⸗ bildet, ein mattes Roth, ein lebhaftes Weiß; ein ausgezeich⸗ neter Mund, dem das Lächeln wie ein Licht entſtrömte und das Wort, wie eine Muſik, ein Kopf, den Raphael als Maria hätte haben mögen, auf einem Halſe, den Jean Gouyon für eine Venus gewählt hätte. Und endlich, damit nichts dieſem reizenden Geſicht mangelt, war die Naſe nicht ſchön, aber hübſch, weder gerade, noch gebogen, weder italieniſch, noch griechiſch; es war eine pariſer Naſe, das heißt, etwas Geiſtreiches, Feines, Unregelmäßiges, und Reines, welches die Maler in Verzweiflung und die Dichter in Entzücken verſetzt.

Als Marius an ihr vorüberging, konnte er ihre Augen nicht ſehen, die beſtändig geſenkt waren. Er ſah nur ihre langen kaſtanienbraunen Augenwimpern, die keuſch ihren Blick umſchatteten.

Das hinderte indeß das ſchöne Kind nicht, zu lächeln, während es auf den Mann mit den weißen Haaren hörte, der mit ihr ſprach und nichts war ſo köſtlich, wie das hei⸗ tere Lächeln ihrer geſenkten Augen.

In dieſem Augenblick dachte Marius, es ſei eine andere Tochter deſſelben Mannes, eine Schweſter ohne Zweifel der früheren. Allein als die unwandelbare Gewohnheit des

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