160
waren nicht koſtſpielig und unerwartet; der geringſte Zufall bot ſie ihm. Eines Tages las die Mutter Plutarch einen Roman in einer Ecke der Stube. Sie las laut, indem ſie fand, daß ſie ſo beſſer verſtand. Es giebt Leute, die ſehr laut leſen und dabei ausſehen, als gäben ſie ſich das Ehren⸗ wort auf das, was ſie leſen.
Die Mutter Plutarch las mit dieſer Energie den Roman, den ſie in der Hand hielt. Herr Mabeuf vernahm die Worte, ohne darauf zu hören.
Während des Leſens kam die Mutter Plutarch zu fol⸗ gender Stelle. Es war die Rede von einem Dragoner⸗ Offizier und einer Schönen.
„— La belle bouda, et le dragon—“*) hier unter⸗ brach ſie ſich, um ihre Brille abzuwiſchen.
„Buddha und der Drache,“ wiederholte mit leiſer Stimme Herr Mabeuf.„Ja, es iſt wahr. Es gab einen Drachen, der aus ſeiner Höhle Flammen ſpie und den Himmel verbrannte. Mehrere Sterne waren ſchon durch dieſes Ungeheuer, das anßerdem noch die Krallen eines Ti⸗ gers hatte, in Brand geſteckt. Buddah ging in ſeine Höhle und es gelang ihm, den Drachen zu bekehren. Das iſt ein gutes Buch, das Sie da leſen, Mutter Plutarch. Es giebt keine ſchönere Legende.“
Und Herr Mabeuf verſank in eine köſtliche Träumerei.
*) Unüberſetzbares Wortſpiel. Wörtlich überſetzt heißt es:„die ſchöne Blonde und der Drachomo(Drache).“


