156 Sympathie, nur daß er das, was der Oberſt für die Blu⸗ men that, ſeinerſeits für die Früchte that. Herr Mabeuf war dahin gelangt, die ſaftigſten Birnen zu ziehen, und ihn verdankte man die October⸗Mirabelle, die jetzt berühmt iſt und nicht minder würzig wie die St. Germain⸗Mirabelle. Er ging in die Meſſe mehr aus Sanftmuth als aus Fröm⸗ migkeit, und dann auch weil er die Geſichter der Menſchen liebte, ihren Lärm aber haßte und ſie nur in den Kirchen vereinigt und ſchweigend fand. Da er fühlte, daß man in dem Staate irgend Etwas ſein muß, hatte er die Laufbahn eines Kirchenvorſtehers gewählt. Uebrigens war es ihm nie gelungen, eine Frau ebenſo zu lieben, wie eine Tulpen⸗ zwiebel, und einen Mann ebenſo wie einen Elzevir. Er war ſeit langer Zeit über das ſechszigſte Jahr hinaus, als ihn eines Tages Jemand fragte:
„Haben Sie ſich nie verheirathet?“
„Ich habe es vergeſſen,“ ſagte er.
Wenn es ihm zuweilen begegnete— und wem begegnet das nicht? zu ſagen:„Ach, wenn ich reich wäre!“ ſo geſchah dies nicht, indem er ein Mädchen lorgnettirte, wie der Vater Gillenormand, ſondern indem er eine alte Schar⸗ teke betrachtete. Er lebte allein mit einer alten Haushäl⸗ terin. Er litt ein wenig an der Handgicht, und wenn er ſchlief, krümmten ſich ſeine alte Finger, durch Rheu⸗ matismus gelähmt, unter den Falten ſeines Betttuches. Er hatte eine Flora der Gegend von Cauteretz mit illuminirten Kupfertafeln herausgegeben, ein ziemlich be⸗ rühmtes Werk, deſſen Platten er beſaß und das er ſelbſt verkaufte. Man klingelte deshalb zwei oder drei Mal täg⸗ lich bei ihm, Rue Meézieres. Er gewann dadurch unge⸗ fähr 2000 Franes jährlich. Darin beſtand ſo ziemlich ſein ganzes Vermögen. Obgleich er arm war, hatte er das Talent beſeſſen, durch Geduld, Entbehrungen und Zeit eine koſtbare Sammlung von ſeltenen Exemplaren aller Art an⸗
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