lonnte nichts unterſcheiden, als ein wenig Licht und große Schatten. Das Licht rührte von einer Nachtlampe her, die in einer Ecke brannte. Der Saal war öde, und nichts rührte ſich in demſelben. Indem er aber länger hineinſah, glaubte er am Boden auf dem Pflaſter etwas zu bemerken, das mit einem Leichentuche bedeckt war und einer menſch⸗ lichen Geſtalt glich. Es lag flach am Boden, mit dem Geſicht gegen die Steine gewendet, die Arme gekreuzt und in der Regungsloſigkeit des Todes.
Der ganze Saal war in jenes kaum ſichtbare Halb⸗ dunkel gehüllt, welches Entſetzen einflößte.
Jean Valjean hat ſeitdem oft geſagt, er hätte in ſeinem Leben manches finſtere Bild geſehen, doch nie etwas, das ihn mehr erſtarrt oder erſchreckt hatte, als dieſe räthſel⸗ hafte Geſtalt, die an dieſem finſtern Orte mitten in der Nacht irgend ein unbekanntes Myſterium zu vollziehen ſchien. Es war ſchreckenerregend zu denken, daß dieſe Erſcheinung todt, noch ſchreckenerregender beinahe, daß ſie lebend ſei.
Er hatte den Muth, die Stirn an die Scheiben zu drücken und zu forſchen, ob die Geſtalt ſich rege. Mochte er auch ſo eine Zeit ſtehen bleiben, die ihm ſehr lang vor⸗ kam, ſo blieb doch die ausgeſtreckte Geſtalt bewegungs los. Plötzlich fühlte er ſich von einem unausſprechlichen Entſetzen ergriffen und entfloh. Er lief nach dem Schuppen, ohne es zu wagen zurückzuſehen. Es war ihm, als würde er, wenn er den Kopf wendete, die Geſtalt hinter ihm mit großen Schritten herkommen ſehen, die Arme gegen ihn aus⸗ ſtreckend.
Keuchend erreichte er die Ruine. Seine Kniee brachen unter ihm. Schweiß bedeckte ſeinen Körper.
Wo war er? Wer hätte ſich je denken können, daß etwas dieſem Grabe ähnlich mitten in Paris exiſtirte? Was war das für ein merkwürdiges Haus? Ein Gebäude voll nächtlichen Myſteriums, die Seelen mit der Stimme


