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Nach einer Conferenz von einigen Augenblicken mit dem Gondelführer Giacomo ließ er ſich an der Piazza aus⸗ ſetzen, drapirte ſich mit Eleganz in ſeinen Mantel und ging mit der nachläſſigen Miene unſerer Modelöwen ſeinen Freun⸗ den entgegen, die in Folge einer in Venedig altherkömm⸗ lichen Gewohnheit, unter den Arkaden des berühmten Do⸗ genpalaſtes luſtwandelten— einem Ort, den man noch heute in der guten Geſellſchaft mit dem Namen des Brog⸗ lio bezeichnet.
Hier verſammelten ſich alle Gecken Venedig's und hier ward demzufolge das öffentliche und Privatleben aller Frauen der eleganten Welt erzählt und beſprochen.
Giovanni Gradenigo ward mit Begeiſterung empfan⸗ gen und erhielt ſofort das Wort, um eine ganz neue, fri⸗ ſche Geſchichte zu erzählen, denn Alle wußten, daß der Erbe der alten Familie Gradenigo auch den abenteuerlichen, ausſchweifenden Geiſt der Mehrzahl ſeiner Vorfahren geerbt hatte.
Gradenigo verfehlte nicht ſeine Erzählung mit aller⸗ hand geſchickten Umſchreibungen und unbeſtimmten, aber zu⸗ gleich erlogenen und perfiden Anſpielungen zu würzen. Sein Erfolg bei ſeinen Zuhörern war in der That auch ein ganz außerordentlicher und man lachte unmäßig und un⸗ aufhörlich.
„Sie ſind in der That ein außerordentlicher Menſch, und die Schnelligkeit, mit welcher Sie eine Sache zu füh⸗ ren verſtehen, grenzt an's Wunderbare.“
„Was wollen Sie? Das iſt einmal mein Fehler, mein lieber Herr Morel!“ antwortete Gradenigv.
„Das Glück im Spiel oder in der Liebe iſt in gewiſ⸗ ſen Familien oft erblich!“ bemerkte ein junger Venetianer, er ſich beeilte, hinzuzuſetzen:
„Sagten Sie nicht, mein lieber Gradenigo, daß Sie, der Abenteuer unſeres ſchönen Landes müde, eine Rriſe in's Ausland zu machen gedächten?“


