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Valentine erwartete, wie am Tage vorher, zu der Stunde, wo die Sonne im Begriffe ſtand hinter den Th⸗ roler Alpen zu verſchwinden, am Fenſter ihres Zimmers die Ankunft Giacomo's.
Es dauerte nicht lange, ſo kam er in ſeiner Gondel herbeigerudert. Als er die Treppe der Vorhalle erreicht hatte, ſprang er auf die erſte Stufe, band ſeine Gondel feſt und ging die Treppe hinauf in die Vorhalle, wo er ſich einige Augenblicke ſpäter Valentinen gegenüber ſah.
„Nun, Giacomo?“ ſagte ſie.
„Entſchuldigen Sie, Signora,“ ſagte der Gondelfüh⸗ rer, indem er einen forſchenden Blick auf den Canal warf, „aber verbergen Sie ſich ſo, daß nicht jener Zudringliche Sie ſieht, der da unten in ſeiner Gondel ſitzt. Beim hei⸗ ligen Theodor! Ich hatte große Luſt, ihn die Wahrheit auf dem Boden des Canal's ſuchen zu laſſen.“
„Wer iſt es denn, der mich beobachtet?“ fragte Va⸗ lentine.„Und warum ſoll ich mich verbergen?“
„Santa Madre de Dio! Wiſſen Sie denn nicht, daß dies in dieſer Stadt von jeher ſo geweſen iſt? Es iſt dies die Stunde der nächtlichen Redezvous. Sie ſind jung, durch die Gnade der Heiligen und des Paradieſes, ich ſtehe hier, dort liegt meine Gondel, vor uns fließt der Canal, der zu ſo vielen einſamen, abgelegenen Orten führt—“
„Giacomo!“
„Entſchuldigen Sie, Signora, Niemand kann mehr die gerechte Empfindlichkeit einer Dame reſpectiren, als Ihr gehorſamer Diener. Ich will blos damit ſagen, daß, da
es eine gewiſſe Roſina giebt, welche ich liebe, obſchon es
ein ganz gewöhnliches Mädchen iſt, es mir nicht recht ſein würde, wenn man mir ſagte, man hätte ſie um dieſe Stunde mit einem Gondelführer ſprechen ſehen— wenn ich nämlich dieſer Gondelführer nicht ſelbſt wäre. Ach, Sig⸗ norg, hier in Venedig macht man Geld aus Allem, und zum Unglück für uns Gondelführer giebt es gewiſſe ver⸗


