*
Kurze Zeit darauf befand ſich Benedetto in der Nuch⸗ barſchaft des prachtvollen Palaſtes des Flavius Vespaſian.
Er ſtieg ab und ſah ſich ſofort von ſechs oder acht je⸗ ner Induſtriellen ohne Induſtrie umringt, welche in Rom ſich in der Nähe der Kirchen, der Theater, der Monumente und deren Ruinen umhertreiben und deren einziger Erwerbs⸗ zweig darin beſteht, daß ſie den Fremden den Urſprung, die Gründung, die Beſtimmung und die Geſchichte dieſer berühmten Ueberreſte des Alterthums vorplärren, die, ſo zu ſagen, das Buch der Jahrhunderte ſind.
Einer dieſer Ciceroni ergriff die Zügel des Pferdes, weil er vielleicht in dem Handwerk des Erzählens noch Lehr⸗ ling war, während ſeine Kameraden Benedetto umringten, indem ſie mit aller nur erdenklichen Artigkeit ſagten:„Ex⸗ cellenz, die Nacht iſt ſchön, Sie können mir folgen.“
„Wozu?“
„Um zu ſehen.“
„Was zu ſehen?“
„per la Madonna! das Monument des Flavian! das berühmteſte Monument Italien's und ganz Europa's, wel⸗ ches ganz bequem achtzigtauſend Zuſchauer faßt. Kommen Sie, und ich will Ihnen den Thiercircus zeigen und Ih⸗ nen ausführlich die Vorkehrungen erklären, welche man da⸗ mals traf, damit die wilden Thiere ſich nicht auf die Zu⸗ ſchauer ſtürzten.“
Benedetto antwortete durch eine verächtliche Geberde auf die zudringlichen Anerbietungen der Ciceroni und ver⸗ tiefte ſich, mitten durch ſie hindurchgehend, in die Ruinen, um Vampa aufzuſuchen, wie vor ungefähr zwei Jahren faſt zu derſelben Stunde der Graf von Monte⸗ Chriſto hier
eingedrungen war, um denſelben Menſchen zu ſuchen, näm⸗
lich am 22 Februar, am Vorabende des erſten D römiſchen Carnaval, der noch beſonders ausgez den ſollte durch„die Hinrichtung auf dem Platze kraft eines Urtheils des Tribunal's de la Rota,


