Teil eines Werkes 
1.-2. Bdchn (1852)
Entstehung
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Und wir wiederholen, kraft dieſes Arioms hatte ſich Vater Cadet arrondirt und war ſachte, ſtufenweiſe, Jahr für Jahr, von zwei Morgen bis zu acht übergegangen.

Er liebte auch ſein Gut leidenſchaftlich, mehr als er je ſeine Frau geliebt hatte, mehr als er ſeine Schwie⸗ gertochter liebte, da er ja, wie man geſehrn, Madeleine beinahe ſeinem Gute geopfert hätte, und er liebte doch Madeleine ungemein.

Er war alle Tage auf ſeinem Felde, denn das Feld iſt dankbar; ja, je mehr man ſich mit ihm beſchäftigt, deſto mehr trägt es; alle Tage, vom Morgen bis zum Abend, er war ſogar bei Nacht in Gedanken dort; er

träumte von ihm und ſah, mit geſchloſſenen Augen, wo

die ſchönſten Aehren und der dichteſte Klee im Frühjahr und im Sommer waren;z im Winter ſah er einen vergeſ⸗ ſenen Stein, ein Büſchel Schmarotzerpflanzen, und er ſagte ſich:Morgen werde ich dieſen Stein aus meinem Felde werfen, morgen werde ich dieſe Pflanzen ausraufen; und es war alle Tage und alle Nächte daſſelbe.

Kam der Sonntag, der von den armen Arbeitern ſo ſehr erſehnte Tag, der Tag, wo Gott ſelbſt, dieſe Quelle aller Stärke, wie er die Quelle aller Güte iſt, ſich den Anſchein gab, als wäre er müde, damit die Menſchen einen Ruhetag hätten, ſo ſagte Vater Cadet nach ſeinem Abendbrod:

Oh! bei meiner Treue, Madeleine, ich werde mor⸗ gen wohl ausruhen.

Und Madeleine erwiederte lächelnd:

Ihr habt Recht, mein Vater.

Der andere Tag kam, die Glocken ertönten und ſprachen:

Es iſt heute der Tag der Ruhe, der Tag Gottes, der Tag des Herrn. Seid in Freude, arme Unglückliche, Enterbte der Geſellſchaft, vergeßt die Anſtrengung, die Ihr geſtern gehabt habt, vergeßt die, welche Ihr morgen