Teil eines Werkes 
1.-2. Bdchn (1852)
Entstehung
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durchſichtigen Spiegel des Waſſers erblickt er den blonden Kopf einer Nymphe, die ihm zulächelt und die Arme gegen ihn ausſtreckt; der Zauber wird immer ſüßer und immer ſtärker; er lächelt ſeinerſeits auch, er ſtreckt auch die Arme aus; Undine nähert ſich immer mehr der Ober⸗ fläche des Sees, ihr blaues Auge hat, um es zu bedecken, nur noch einen Schleier, der ſo durchſichtig als Gaze, ihre blonden Haare ſchwimmen auf dem Waſſer, ihre Korallenlippen ziehen ſchon die Luft ein; in einem Athem, der halb Seufzer, halb Kuß, taucht der Unvorſichtige nie⸗ der; er glaubt die Nymphe zu ſich emporzuheben, doch ſie iſt es im Gegentheil, die ihn auf ihr Bett von See⸗ gras und in ihre Grotte von Muſchelwerk fortreißt, von wo er nie mehr entkommen wird, um ſeine alte Mutter, welche betet, und ſein kleines Kind, welches weint, wie⸗ derzuſehen.

Der Zauber der Erde wirkt aber viel mächtiger auf den Bauern, als der des Waſſers auf den Fiſcher. Iſt das Feld, das der Bauer beſitzt, rund, ſo muß er einen andern Theil kaufen, um es viereckig zu machen; iſt es viereckig, ſo muß er dieſen andern Theil kaufen, um es rund zu machen. Ach! mehr als Einer unterliegt dieſem Ehrgeize; er kauft, und um zu kaufen, borgt er zu ſechs, zu acht, zu zehn Prorent auf vieſes elende Land, das ihm nur zwei trägt; von da an iſt es ein Kampf zwiſchen dem Wucher und der Arbeit, und der Wucher, eine traurige Undine mit hakenförmigen Nägeln, ſchleppt häufig den Bauern fort, nicht auf ein Bett von Meergras und Mu⸗ ſchelwerk, ſondern auf das Lager des Elends und in die Grube des Armen.

Zum Glück war Vater Cadet klüger; er hatte den Grundſatz: Sammle, aber borge nicht!

Als die Diſteln ausgerauft und die Steine in die Ferne geworfen waren, als die Zeit der Feldarbeit ge⸗ kommen war, nahmen er und ſeine Schwiegertochter jedes einen Stten und legten das Frühſtück und das Mittageſſen