Teil eines Werkes 
1.-2. Bdchn (1852)
Entstehung
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indem ich nach den Launen meines Geiſtes oder den Sprüngen meiner Einbildungskraft betrachte, neue Mu⸗ ſterbilder ſuche, ſeltſame und unbekannte Situationen ſchaffe, zuweilen, wenigſtens in Gedanken, auf jenen viel betrete⸗ nen Weg, auf meine Kindheit zurück, wo ich die Spur meiner kleineren Füße, meiner weniger langen Schritte neben den vielgeliebten Schritten meiner Mutter wieder⸗ finde, die ſich nach den meinigen abmeſſen, ſeit dem Tage, wo meine Augen ſich öffneten, bis zu dem, wo die ihrigen ſich ſchloſſen und ſie mich ſo traurig und ſo vereinzelt durch ihre Abweſenheit zurückließ, als es der junge To⸗ bias ſein mußte, nachdem wieder zum Himmel der Engel aufgeſtiegen war, der ihn an der Hand bis zu dem Wun⸗ derfluſſe geführt, deſſen Namen uns zu ſagen Moſes ver⸗ eſſen hat.

Nun denn! heute will ich Ihnen mittheilen, was ich am Anfange dieſes Pfades ſehe, ein wenig jenſeits des Dorfes Haramont, auf dem erſien Abhange des Weges, der, beſtändig ſich ſenkend, nach dem Schloͤßchen des Foſſés führt.

Es ſind zwei Hütten, jede auf einer der Seiten des Weges erbaut und nur durch dieſen Weg getrennt; ſie öffnen ſich gegen einander, ſtehen einander mit Thüren und Fenſtern gerade gegenüber und lächeln beide unter den goldenen Sonnenſtrahlen, die eine umrankt von einem Weinſtocke, der ſie mit ſeinem Rebendiademe bekränzt; die andere ganz in einen Rieſenepheu gekleidet, der, nach⸗ dem er ihr Dach wie mit einem Mantel bedeckt hatte, ihre Mauern wie mit einem grünen Rocke überzog.

Zwei Familien bewohnten dieſe zwei kleinen Häuſer.

Eine von dieſen Familien beſtand aus einem Greiſe von fiebenzig Jahren, einer Frau von achtunddreißig Jah⸗ ren, ſeiner Schwiegertochter, und einem jungen Burſchen von ſechzehn Jahren, ſeinem Enkel.

Sie wurde vervollſtändigt durch einen großen Hund