Teil eines Werkes 
1.-2. Bdchn (1852)
Entstehung
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gegen das Ende, als am Anfang rollte. Dann wendet man ſich in Thränen zerfließend um, man ſchreit, man klammert ſich an Allem an, was man auf der Straße trifft; dann fühlt man, vaß, da Alles, was man trifft, von demſelben Wirbel fortgeriſſen demſelben Abhange folgt, jeder Widerſtand unnütz und ein verzweifelter iſt; man ſtreckt die Arme nach den entfernten Gegenſtänden aus, welche am Morgenhorizont glänzen, wie bei den letzten Flammen der untergehenden Sonne zuweilen, am entge⸗ gengeſetzten Horizont, die Mauern eines demüthigen Häus⸗ chens weiß erſcheinen, oder die Scheiben eines ſtolzen, prächtigen Schloſſes ſich entzünden.

Das Leben des Menſchen theilt ſich in zwei ſehr un⸗ terſchiedene Phaſen: die fünfunddreißig erſten Jahre find für die Hoffnung, die anderen ſind für die Erinnerung.

Dann ergibt ſich noch eine andere Luftſpiegelung in dieſer Wüſte, die man durchlaufen hat und wo die Daſen immer ſeltener werden. Die Gegenſtände, welche das Geſicht des Körpers am Anfange des Weges erſchaute, als man noch mit erhobenem Haupte und offenen Ar⸗ men der ſchönen flüchtigen Göttin nachlief, welche man die Hoffnung nennt, Gegenſtände, die man gleichgůltig am Wege ließ, die man als zu unſcheinbar geringſchätzte, die man als zu demüthig verachtete, dieſe Gegenſtände, ſobald man die Scheidelinie überſchritten hat, ſobald man nicht mehr durch die Hoffnung, ſondern durch die Erinne⸗ rung lebt, während man indeſſen fortſchreitet, weil die De⸗ viſe des Lebens: Vorwärts! iſt, obgleich man mit ge⸗ ſenkter Stirne und herabhängenden Armen geht; dieſe Gegenſtände erſcheinen allmälig wieder dem Geſichte der Seele, und da die Seele, eine Tochter des Himmels, ſie ganz anders ſchätzt, als der Stolz, der ein Kind der Erde iſt, ſie beurtheilte, ſo wird ihre Dunkelheit Licht, ihre Demuth wird Größe, ſo daß man liebt, was man gering⸗ geſchätzt hat, daß man bewundert, was man verachtet hat.

Darum komme ich, ſtatt immer vorwärts zu gehen,

vot ren vor