Teil eines Werkes 
15.-17. Bdchn (1851)
Entstehung
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beutung ſeiner Herde trug ihm mehr ein, als er brauchte, um zu leben, und er konnte ſich das edle Zeugniß geben, daß er Niemand zur Laſt ſei.

Nun herrſchte die Freude im Gemüthe von Gamba. Sein Leben war voll. Dachte er an die Vergangenheit, an die Karpfenſprünge auf den öffentlichen Plätzen, an die Geſchmeidigkeit der Gelenke, an die Behendigkeit, an die Lebhaftigkeit, an die Anmuth, ſo hatte er ſeine Zie⸗ gen. Dachte er an die Zukunft, an das Glück, nicht in der Vereinzelung alt zu werden, an das Bedürfniß, Je⸗ mand bei ſich zu haben, der ſich für einen intereſſire, der einem zulächle, ſo hatte er Gretchen.

Nichts fehlte alſo ſeinen Inſtincten! Gretchen bildete die Freude ſeines Herzens und ſeine Ziegen bildeten die Freude ſeiner Glieder.

Alles kommt, ſogar das, was man wünſcht, hat ein Dichter geſagt.

Am 26. Auguſt 1831 erhob ſich der Tag heiter über dem Schloſſe Eberbach. Obgleich es kein Sonntag war, zogen doch das ganze Haus und das ganze Dorf Landeck ihre Feſtkleider an. Die Kirche füllte ſich mit Blumen. Ganz Landeck war zu einem großen Mittagsmahle und zu einem großen Balle eingeladen, die im Hofe des Schloſſes bei Gelegenheit der doppelten Hochzeit von Friedrike mit Lothario und von Gamba mit Gretchen ſtatt⸗ finden ſollten.

Alle Welt kleidete ſich vollends an, um in die Kirche zu gehen. Schon lange bereit, irrte Gamba von der Frei⸗ treppe zum Gitter, offenbar in einer gewiſſen Bangigkeit, hin und her. Von Zeit zu Zeit ging er hinaus und ſchaute mit einem unruhigen Blick nach der Straße.

Er erwartete Etwas oder Jemand, der nicht kam.

Endlich erſchien Friedrike, und man mußte ſich auf den Weg begeben. Welche Freude Gamba auch über die Verwirklichung eines ſo lange geliebkoſten Wunſches em⸗ pfand, er konnte nicht gänzlich von ſeiner Stirne einen