Teil eines Werkes 
15.-17. Bdchn (1851)
Entstehung
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tet, hatte er als Eigenthum weder einen Bajacco in Ita⸗ lien, noch einen Kreuzer in Deutſchland, noch einen Sou in Paris mehr beſeſſen.

Er mochte ſich immerhin ſagen, Chriſtiane gebe ihm nur das zurück, was er für ſie gethan, und wenn ſie ihm Brod gebe, ſo habe er ihr das Leben gegeben, ſein Akro⸗ batenſtolz empörte ſich bei dem Gedanken, er genüge ſich ſelbſt nicht, er arbeite nicht, er habe keine Induſtrie, und er ſei nur ein großer Faullenzer, dem man den Schnabel voll gebe wie einem Kinde oder einem Breſthaften.

Breſthaft! er, der Muskelmann, der einen ſo wun⸗

derbaren Gebrauch von ſeinen Armen und ſeinen Beinen

machte!

Gamba ſuchte alſo, welche Speculation er unter⸗ nehmen und welches Gewerbe er treiben könnte.

Für ihn gab es nach der ehrenwerthen Profeſſion eines Gauklers, die ihm weder durch Chriſtiane, noch

durch Gretchen erlaubt worden wäre, nur noch das Ge⸗

werbe eines Ziegenhirten.

Die Ziegen ſind auch Gaukler. Er würde wenig⸗ ſtens die Kunſtſtücke, die er ſelbſt nicht mehr machen könnte, ſeine Ziegen machen ſehen. Er würde ſie ſich an den Rand der Abgründe hängen, über Klüfte und Schluch⸗ ten ſpringen ſehen. Sie würden ihn an ſeine Vergangen⸗ heit erinnern. Das wäre immer Etwas. Da er nicht mehr Schauſpieler ſein könnte, ſo würde er Zuſchauer.

Sein Entſchluß war bald gefaßt.

Er hatte einige Erſparniſſe, die er der Freigebigkeit von Chriſtiane verdankte. Er ging eines Morgens vor Tag aus und kehrte am Abend, begleitet von einem Volke von Ziegen, zurück.

Er war ringsumher gelaufen und hatte alle Ziegen der Gegend gekauft.

Er fügte ſeinen Einkauf der Herde von Gretchen bei. Und von da an hatte ſeine Eriſtenz wenigſtens einen Grund, zu ſein. Sein Stolz war befriedigt. Die Aus⸗