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vurch welchen er die edle und ſchmerzliche Aufopferung des Grafen erfahren.
Aber Chriſtiane wollte nicht, daß ihre Tochter in dieſen peinlichen Ideen verharren ſollte. Friedrike war nicht im Alter des Leidens. Ueberdies hatte ſie ſchon mehr als ihren Theil in den letzten Jahren gehabt. Die arme Mutter drängte ſelbſt ihre Trauer zurück und ſuchte zu lächeln, um ihre Tochter lächeln zu machen.
Lothario ſollte von ſeiner Reiſe, und von den See⸗ ſtürmen, und von der Sonne Amerikas erzählen. Dann ſprach ſie von der Zukunft und von der Heirath ihrer zwei Kinder, wozu ſie ihre Eilaubniß geben würde, ſobald das Trauerjahr vorüber wäre.
Lothario und Friedrike küßten ihr die Hände und entſchlummerten auf dieſer theuren Hoffnung.
Von dieſem Tage an klärte ſich der Horizont allmälig wieder für die drei ſo hart geprüften Herzen auf.
Das Schloß fing wieder an zu leben und zu hoffen. Gamba war zufrieden, in freier Luft athmen zu dür⸗ fen und eine Wieſe zu haben, wo er von Zeit zu Zeit vas Gefinde durch einen unmöglichen Sprung in Erſtaunen ſetzen konnte.
Gretchen war von Paris zurückgekehrt. Chriſtiane und Friedrike hatten verlangt, daß ſie fortan im Schloſſe wohnen ſollte, und ſie hatte eingewilligt, um die Frauen in ihrem Kummer nicht zu verlaſſen.
Es war verabredet, daß ſie ſich mit Gamba an dem⸗ ſelben Tage wie Friedrike mit Lothario verheirathen ſollte.
So vergingen die Wochen und die Monate zwiſchen dem Beklagen und dem Hoffen, ſich vom Grabe entfer⸗ nend und dem Hochzeitbette nähernd.
Gamba fühlte ſich indeſſen, in Augenblicken, ein we⸗ nig dadurch gedemüthigt, daß er ein Brod aß, welches er nicht verdiente. Er, ein Mann, wurde von Frauen ernährt.
Seitdem er auf ſein edles Seiltänzergewerbe verzich⸗


