Teil eines Werkes 
15.-17. Bdchn (1851)
Entstehung
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leicht nicht genug die Empfindlichkeit einer äußerſt zarten und ausnahmsweiſen Lage geſchont.

Er hatte nicht genug die Eiferſücht des Grafen ge⸗

achtet, er war nicht genug darauf bedacht geweſennicht einmal einen Vorwand zum Argwohn zu geben, er hatte ſeine Gebote dadurch verletzt, daß er Friedrike zwei oder dreimal allein auf der Straße von Enghien wiedergeſehen.

Aber zwiſchen dieſem durch ſein Alter, durch ſeine Liebe und durch den Zuſtand, in welchen ihn der Graf ſelbſt Friedrike gegenüber verſetzt hatte, entſchuldbaren Ungehorſam, zwiſchen dieſem hinter die Schule Gehen der Liebe bis zu einem wirklichen Unrecht, bis zu einer ern⸗ ſten Beleidigung, bis zu einer Verletzung, welche die Re⸗ preſſalien des Grafen von Eberbach rechtfertigte, lag eine Kluft. Sicherlich nicht für Fehler dieſer Art konnte ihu ſein Oheim mit dem Worte brandmarken, der ſeinen Brief ſchloß, und ihn einen Elenden nennen.

Ohl dahinter ſtak etwas, eine Machination, ein Ver⸗ rath! Aber wer würde ihm die Auflöſung dieſes finſtern Räthſels geben?

Geraden Wegs zu ſeinem Oheim gehen, ihn um eine Erklärung bitten und ihn nöthigen, Alles zu ſagen, daran konnte Lothario nicht mehr denken. Dadurch wurde er ſich überdies neuen Heftigkeiten vor denjenigen, welche da ſein könnten, vor den Bedientenvor aller Welt aus⸗ ſetzen. Und es war ſchon Oeffentlichkeit genug bei dieſem traurigen Abenteuer.

Sodann, ſo kindlich Lothario und ſo ſehr er in Ver⸗ zweiflung war, ſich im Kampfe mit demjenigen zu finden, der ſein Wohlthäter, ſo war er doch auch Mann, und all ſein Blut empörte ſich hei dem Gedanken, Erklärungen von einem Manne zu fordern, der ihn zweimal an dem⸗ ſelben Tage mit ſeinem Handſchuh und mit ſeinem Briefe beohrfeigt hatte.

An wen ſollte er ſich alſo wenden? an Herrn Sa⸗ muel Gelb vielleicht?