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Saint⸗Denis kommt. Ueberſchreiten Sie dieſelbe, wenden Sie ſich links und gehen Sie ungefähr zehn Minuten am Fluſſe hin. Wenn Sie an eine dicht geſchloſſene Reihe von Pappelbäumen kommen, und Sie ſehen mich nicht, ſo warten Sie.
„Kommen Sie allein. Ich werde auch allein kom⸗ men. Ich hringe ein Paar Piſtolen mit. Eine einzige wird geladen ſein.
„Sie werden ſelbſt eine wählen.
„Toͤdten Sie mich, ſo wird Ihnen dieſer Brief zur Rechtfertigung dienen. Ich erkenne, daß ich Sie heraus⸗ gefordert und geohrfeigt habe, ich habe Sie in die unbe⸗ dingte Nothwendigkeit verſetzt, ſich zu ſchlagen, wonn Sie nicht öffentlich entehrt ſein wollten, und ich habe die Be⸗ vingungen des Zweikampfs feſtgeſtellt und verlangt.
„Tödte ich Sie, ſo bekümmern Sie ſich nicht um mich. Ich bin in einer Lage, um keine Furcht zu haben.
„Doch Einer von uns muß ſterben. Wenigſtens Einer, vielleicht Beide. Ich bin zu unglücklich, und Sie ſind zu elend.
„Julius von Eberbach.“
Dieſer Brief löſchte den letzten Hoffnungsſchimmer im Herzen von Lothario aus.
Er ſagte nicht ein Wort von der Beſchwerde, die der Graf von Eberbach gegen ſeinen Neffen zu haben glaubte, und er benahm Lothariv jede Chance, etwas zu erfahren, da er ein Duell ohne Zeugen forderte.
Lothario fühlte indeſſen immer mehr im Grunde dieſer gräßlichen Lage einen entſetzlichen Irrthum, den er um jeden Preis aufklären mußte. Er mochte immerhin ſeine Erinnerungen durchwühlen, er hatte nichts gethan, was zur Heftigkeit ſeines Oheims ermächtigte oder ſie nur erklärte. Er hatte ſich vielleicht gegen ſeinen Oheim verfehlt. Von ihm mit Friedrike verlobt, hatte er viel⸗


