3
drängten ſich und wirbelten im Kopfe und im Herzen von Lothario.
Der Geſandte war ganz beklommen und wußte nicht, was er ſagen ſollte.
Endlich ſtrengte ſich Lothario an, zu ſprechen.
„Excellenz,“ ſagte er,„Sie ſind ein Edelmann, und Sie haben geſehen, was vorgefallen iſt. Die Beſchim⸗ pfung iſt blutig, der Graf von Eberbach iſt wie mein Vater. Was ſoll ich thun?“
„Bei einer ſolchen Extremität,“ erwiederte der Ge⸗ ſandte,„kann und darf kein Menſch einem andern rathen. Die Alternative iſt zu ernſt, als daß es mir erlaubt wäre, eine ſolche Verantwortlichkeit auf mich zu nehmen. Ich ſchätze Sie und liebe Sie, Lothario. Aber wären Sie mein Sohn, ich könnte Ihnen nur ſagen: Verſenken Sie ſich in Ihr Gewiſſen und thun Sie einzig, was dieſes Ihnen rathen wird.“
„Ah!“ rief Lothario,„mein Gewiſſen iſt entzwei getheilt, wie mein Herz. Einerſeits die männliche Ehre, andererſeits die kindliche Dankbarkeit.“
„Wählen Sie,“ ſprach der Geſandte.
„Kann ich das? Gibt es eine Wahl zwiſchen dem Undank und der Feigheit?“
„Laſſen Sie uns indeſſen ſehen,“ ſagte der Geſandte. „Der Herr Graf von Eberbach iſt weder ein Wüthender, noch ein Wahnſinniger. Daß er Sie immer geliebt und väterlich behandelt hat, dafür zeugt gerade Ihr Schmerz. Daß er ſo plotzlich ſeinen Charakter und ſein Benehmen gegen Sie geändert hat, dafür muß er einen ſehr gewich⸗ tigen Grund haben.“
„Sie glauben, ich habe die Beſchimpfung verdient?“ fragte Lothario.
„Er glaubt es. Er hätte Sie offenbar nicht auf dieſe Art beſchimpft, er, der ſich immer ſo zärtlich gegen Sie gezeigt, wäre er nicht überzeugt geweſen, Sie haben ihm eine Beleidigung zugefügt, welche nicht wieder gut


