Aber das Unglück ließ ihn dieſen Rückſtand an einem Tag bezahlen. Dieſer harte Gläubiger von aller Welt hatte ihm nur Friſt bewilligt, um ihn mit einem Schlage durch die ie der Schuld und der Intereſſen zu Grunde zu richten. Lothario war in eine erſchreckliche Lage verſetzt. Beſchimpft durch den Mann, den er am meiſten in der Welt liebte und achtete, auf die demüthigendſie Art vor einem Zeugen beleidigt, ohne nur den Beweggrund der Beſchimpfung zu vermuthen! Zwiſchen zwei Feigheiten geſtellt: entweder eine offentliche und unauslöſchliche Beleidigung verſchlucken, oder ſeinen kranken Wohlthäter, ſeinen ſterbenden Vater ſchlagen. Für einen Menſchen ohne Muth oder für einen Verwandten ohne Herz gelten! Zwiſchen der Schande und dem Undank wählen!
Ein unſeliges Dilemma ohne Ausweg, aus dem er ſich nur durch den Selbſtmord herausziehen konnte.
Ja, ſich das Leben nehmen, das war der erſte Ge⸗ danke, der ihm kam.
Doch in ſeinem Alter! während er von Friebrike geliebt wurde! Der Tod war eine grauſame und furcht⸗ bare Extremität.
Und his zur letzten Minute war noch eine Ausſicht 1 vorhanden, daß es Licht werden würde. Es konnte nur
ein Mißverſtändniß ſein, was den Grafen von Eberbach zu dieſer Handlung der Wuth angetrieben hatte. Der Graf konnte von ſeinem traurigen Irrthum zurückkom⸗ men, ein Zufall konnte ihn aufklären, man mußte bis zum Ende hoffen. Als Jullus heftig und brohend abgegangen war, herrſchte zwiſchen Lothario und dem Geſandten, zwiſchen 3 dem Beleidigten und dem Zeugen dieſer Beleidigung, ein langes und ſchmerzliches Stillſchweigen. Die von uns erwähnten Gedanken und Gefühle


