Teil eines Werkes 
11.-14. Bdchn (1851)
Entstehung
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Samuel nicht begreifen konnte, ob es ein Verſprechen oder eine Drohung war.

Aber er war bald beruhigt durch das zutrauliche Lächeln von Julius.

Mein lieber Samuel, fuhr Julius mit Hingebung fort,grolle mir nicht wegen der verdrießlichen Laune, in der Du mich ſeit einigen Tagen finden magſt. Ich bitte Dich, verlaſſe mich deshalb nicht. Ich weiß, was ich Dir Alles ſchuldig bin, davon ſei überzeugt, und glaube mir, daß ich Alles thun werde, was in meiner Macht liegt, um Dich dafür zu belohnen. Sei nachſichtig und geduldig gegen mich. Du weißt, daß ich ſtets einen unentſchloſſenen und weibiſchen Charakter gehabt habe. Als wir jung waren, leiteteſt Du mich, wie Du Dich erinnerſt. Du warſt der Gebieter meiner Handlungen, der Herr meiner Gedanken. Nun denn! ich wünſche, ich will, daß es jetzt ebenſo ſein ſoll, und wo möglich noch

vollſtändiger.

Samuel, fuhr er beinahe feierlich fort,ich lege in Deine Hände mein Schickſal, meinen Willen, mein Leben. Ent e für mich, handle für mich. Ich will kaum ſchauti, was Du thuſt. Nimm mein Leben, hoͤrſt Du? Ich ſage das nicht wie ein Wort in die Luft, ich ſpreche mit Dir wie ein müder Menſch, der gern haben möchte, daß ein Freund von ergebenem Herzen und ent⸗ ſchloſſenem Geiſte ihm die Verantwortlichkeit für ſein Leben oder ſeinen Tod erſparen würde.

Höre mich wohl, würdeſt Du es für geeignet er⸗ achten, mich zu tödten, um mir den Reſt meiner Lei⸗ den und meiner Widerwärtigkeiten zu erſparen, ſo fände ich, Du thueſt wohl daran, und ich würde Dich gänz⸗ lich von jedem Gewiſſensbiß und jedem Bedenken abſol⸗ viren. Du haſt mich verſtanden.*

Samuel ſchaute Julius ins Geſicht, um zu ſehen, ob das Wort nicht eine blutige Ironie ſei.