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Bewegung ſetzen laſſe. Ich habe nicht die Kraft, zu wollen. Du weißt, daß ich ſeit langer Zeit nur Eines wünſche:; den Tod. Und dieſer Wunſch hat noch be⸗ deutend zugenommen.“
Er ſetzte ſich auf.
„Hore, Samuel, Du mußt es nun wiſſen?“
Julius ſprach dieſe Worte mit einem ſeltſamen Aus⸗ druck und Blick.
„Du mußt es nun ſicher wiſſen,“ wiederholte er; „wann werde ich entſchieden ſterben?“
„Eil mein Gott,“ antwortete Samuel beinahe un⸗ geſchlacht,„ich ſagte es Dir ſchon zwanzigmal, Du haſt Wochen vor Dir, Monate, vielleicht, wer weiß? Jahre. Was Dich todtet, iſt nicht eine Krankheit, es iſt die Er⸗ ſchöpfung. Es iſt keine Möglichkeit, etwas für eine be⸗ ſtimmte Stunde vorherzuſehen. Du kannſt Deinen Reſt von Energie an einem Tage verſchwenden, wie Du ihn ſparen und Tropfen für Tropfen dauern laſſen kannſt⸗ Wenn es der Lampe an Oel gebricht, wird ſie erlöſchen, das iſt das Ganze.“
„Das hängt von mir ab?“ fragte der Graf von Eberbach.
„Allerdings! Von wem ſollte es abhängen?“
„Oh! ich ſage nicht von Dir, Samuel.“
Und nach einem Stillſchweigen;
„Wenn Du etwas hiebei vermöchteſt, Samuel, ſo wäre das, um was ich Dich bitten würde, nicht die Ver⸗ längerung einer elenden, unnützen und unfruchtbaren Exi⸗ ſtenz, wie die meinige. Es bleibe mir nur die Zeit, eine Sache zu vollenden, die ich angefangen habe, und dann bin ich bereit, der Tod kann mich holen.“
„Was haſt Du angefangen?“ fragte Samuel.
„Ich bin im Begriffe, Jeden nach ſeinem Verdienſte
u belohnen. Sei unbeſorgt, Du wirſt nicht vergeſſen ein.“
Zulius ſagte dies mit einem ſo ſeltſamen Ton, daß
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