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„Ja, vergebens, denn ich glaube Ihnen nicht.“
„Und warum glauben Sie mir nicht?“.
„Wäre das, was Sie mir geſagt haben, wahr, und wären Sie wirklich gekommen, um mich zu retten, ſo hätten Sie nicht Furcht, ſich zu zeigen, und es wäre Ihnen ganz gleichgültig, wenn ich Sie am Tage zu er⸗ kennen vermöchte. Das Geheimniß, in das Sie ſich hüllen, erlaubt mir, in Ihrem Schritte.. wenigſtens einen Hintergedanken zu vermuthen.“ 3
„Einen Hintergedanken! welchen?“ fragte das Mäd⸗ chen ganz verwirrt.
„Ich klage Sie nicht an,“ fuhr Julius fort.„Ich ſage nicht, Sie ſeien unter dem Vorwande, mir einen Dienſt zu leiſten, zu mir geſchickt worden, um mir ein Geheimniß zu entlocken.
„Ohl“ machte ſie, wie verwundet.
„Ich ſage nicht, unter dem Anſchein, mir vor einer eingebildeten Gefahr bange zu machen, verſuche es Je⸗ mand, mich auf meinem Wege aufzuhalten. Da Sie mir aber mißtrauen, ſo habe ich wohl auch das Recht, Ihnen zu mißtrauen. Man wird mich nicht aufhalten, ich werde meinen Weg verfolgen, wie früher; es wird ſein, als ob Sie nicht gekommen wären. Würden Sie ſich für mich intereſſiren, ſo wäre es ſehr leicht, mich durch einen aufrichtigen und geraden Blick zu überzeugen. Sie wollen nicht? dann deſto beſſer! Wenn mir Unglück begegnet, ich halte nicht am Leben. Sie haben das Recht, ſich zu verbergen, ich habe das Recht, zu ſterben.“
„Oh! ich lüfte meinen Schleier,“ rief ſie.
Sie hob ihren Schleier auf und zeigte den entzückten Augen von Jullus einen reizenden ſechszehnjährigen Kopf, den er in der That nicht kannte.
„Ich danke, ich danke von ganzem Herzen, mein Kind,“ ſprach der Graf von Eberbach.„Ich glaube Ihnen nun. Ich bin tief gerührt von dem Beweiſe von


