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Aber ſind die Frauen nicht die barmherzigen Schweſtern von allem Elend?
„Oh! Herr Graf, Sie find krank!“ ſagte ſie.
„Ich glaube es.“
„Sie müſſen ſich pflegen laſſen.“
„Durch wen?“
„Durch die Aerzte.“
„Ohl es ſind nicht die Aerzte, die mir fehlen,“ ant⸗ wortete Julius.„Ich bin in Paris, das heißt bei den Meiſtern der Wiſſenſchaft, und ich bin preußiſcher Ge⸗ ſandter, das heißt, ich kann ſie bezahlen. Doch man wird durch die Aerzte nicht gepflegt, man braucht etwas Anderes.“
„Was denn 2“
„Die Krankenwärter den Sohn oder die Tochter, die bei uns wachen, den Bruder, der uns unterſtützt, die Frau, die uns liebt. mit einem Worte, man braucht ein Weſen, das ſich für uns intereſſirt, und das uns ſelbſt intereſſirt. Oh!l für wen ſollte ich auf mich halten? Wem iſt an meinem Leben gelegen?“
„Ihren Freunden,“ antwortete das Mädchen.
„Meinen Freunden!“ verſetzte Julius.
Und ohne etwas beizufügen, zuckte er die Achſeln.
„Allerdings,“ fuhr das Mädchen fort.„Sie haben Freunde!“
„Nein, mein Fräulein.“
„Ich kenne ſolche.“
„Sie!“ rief Julius.„Wer ſind Sie denn?“
„Fragen Sie mich das nicht„ Iſt aber nicht mein Schritt ſelbſt ein Beweis, daß Sie Freunde haben, die ſich für Sie intereſſiren? Ich komme, um Sie zu retten.“
„Von was?“
„Hören Sie: Sie ſind bei einer Verbindung, bei einer Art von politiſcher Verſchwoͤrung„
„Das iſt moglich,“ erwiederte Julius, indem er ſie mißtrauiſch anſchaute.


