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„Allerdings,“ antwortete Lothario befangen.
„Was könnten wir heute thun?“ ſagte Julius. „Wenn Du eine Partie anordnen würdeſt? willſt Du? Für Dich Vergnügen, für mich Vergeſſen.“
„Gewiß,“ erwiederte Lothario, indem er ſich raſch nach der Thüre wandte.
„Nun! was haſt Du denn?“ rief Julius erſtaunt.
„Nichts,“ antwortete Lothariv.„Ich hatte zu hören geglaubt, man rufe mich. Ich täuſchte mich.“
Er kam zurück und verſuchte es, ſeinen Oheim an⸗ zuhören und ihm zu antworten. Doch ſeine Zerſtreutheit war ſtärker, als ſein Wille. Er mochte ſich immerhin bemühen, an den Leiden ſeines Oheims Antheil zu nehmen, ſein Herz machte zu viel Lärmen, als daß er etwas außen hören konnte. In jeder Sekunde ſchien es ihm, als würde ſich die Thüre öffnen, und er bebte dann immer plötzlich bei dem Gedanken an den Brief, den er empfan⸗ gen ſollte.
Julius bemerkte endlich die Befangenheit ſeines Nef⸗ fen und ſchüttelte traurig den Kopf.
„Das iſt ganz einfach,“ ſagte er zu ſich ſelbſt,„ich langweile ihn. In ſeinem Alter hat er allerdings etwas Beſſeres zu thun, als die Klagen eines erſchöpften Herzens anzuhoͤren. Die Runzeln verſcheuchen das Lächeln, und der Mai geht nicht neben einander mit dem November. Wir wollen unſere Wolke behalten und ihm ſeinen Strahl laſſen.
„Nun, da ich Dich geſehen habe,“ ſagte er zu Lothario,„nun kannſt Du zu Deinen Geſchäften vder zu Deinen Freunden gehen. Gehe, mein Kind, gehe.“
Lothario ließ ſich das nicht zweimal ſagen; er drückte ſeinem Oheim die Hand und ging in ſein Zimmer hinauf, deſſen Fenſter ihre Richtung nach dem Hofe hatten und ihm daher eine Minute früher die Rückkehr des Bedienten zu ſehen geſtatteten.
Julius war alſo allein auf der Erde, Geliebtinnen,


