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„Iſt Lothario wieder zu Hauſe?“ fragte er im Vor⸗ zimmer. 6
„Ja, Excellenz.“
„Bitten Sie ihn, hierher zu kommen.“
Nach einem Augenblick trat Lothario ein.
„Sie haben nach mir verlangt?“ ſagte er.
„Zweimal,“ erwiederte Julius.„Du biſt dieſen Morgen frühzeitig ausgegangen?“
„Sie hatten mir etwas zu ſagen?“ unterbrach ihn
„Nichts. Ich wollte Dich nur ſehen. Es war für mich Bedürfniß, ein befreundetes Geſicht zu ſehen. Ich habe einen traurigen Morgen zugebracht. Du weißt wohl, Olympia 4
„Ja, Olympia,“ wiederholte maſchinenmäßig und wie an etwas Anderes denkend Lothario.
In dem Augenblick, wo der Graf von Eberbach ſeinen Neffen hatte rufen laſſen, war der Bediente, den Lothario beauftragt hatte, die Briefe, die er an Friederike und an Samuel geſchrieben, zu überbringen, in der That noch nicht zurückgekommen. Lothariv wartete voll Angſt auf die Antwort, und ſein Geiſt war ganz in Menilmontant.
„Nun,“ fuhr Julius fort,„Olympia iſt abgereiſt.“
„Sie iſt abgereiſt?“ verſetzte Lothario.
„Nach Venedig. Ich befürchte, mein Freund, ſie macht in meinem Leben eine größere Leere, als ich glaubte. Um ſie auszufüllen, habe ich mich ſogleich zu der Prinzeſſin begeben. Sie war gerade von der verdrießlichſten Laune, in der ich ſie je gefunden. Ich war auch mißſtimmt, und ſo entzweiten wir uns auf der Stelle. Bewunderſt Du mein Glück, mein armes Kind? Ich bin fortan völlig vereinzelt. Doch Du bleibſt mir. Du begreiſſt meinen Kummer. Du, der Du jung, glücklich und ſtark biſt, Du mußt mich aufrichten und troͤſten. Du biſt das einzige Weſen in der Welt, das Anhänglichkeit für mich hat. Nicht wahr, Du liebſt mich, Lothario?“


