Teil eines Werkes 
5.-10. Bdchn (1851)
Entstehung
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Verzeihen Sie! ich bin leidend ich begreife Ihren Empfang durchaus nicht, erwiederte Julius, zum Voraus, von der Scene ermüdet, die er vorherſah.

Sie begreifen nicht?. das iſt doch ganz klar. Geſtern geben Sie mir Rendez⸗vous in der Oper; in dem Augenblick, wo ich eintrete, gehen Sie weg. Ich halte Sie beinahe mit Gewalt zurück; eine Viertelſtunde nach⸗ her verlaſſen Sie mich, unter dem Vorwande, mit einem Ihrer Freunde zuſammenzutreffen zu müſſen. Dieſen Morgen iſt die erſte Perſon, zu der Sie eilen, die Sän⸗ gerin. Ich bitte Sie, zu glauben, daß ich nicht in einem ſolchen Grade gefallen bin, daß mir dergleichen Manieren anſtehen können. Sind Sie nur im Stande, mir die⸗ jenigen von Ihren Stunden zu geben, die Ihnen Ihre Freunde und Ihre Sängerinnen laſſen, ſo können Sie dieſe Stunden mit den andern behalten.

Das iſt ein Bruch? ſagte Julius aufſtehend.

Nehmen Sie es, wie es Ihnen beliebt, antwortete die Prinzeſſin ebenfalls aufſtehend.

Ich hoffe, Sie haben einen beſſeren Grund, als den Vorwand, den Sie mir angegeben, verſetzte Julius; aber ich fühle mich weder mehr vom Alter, noch vom Charakter, um das Schloß des Geheimniſſes einer Frau zu ſprengen. Wenn Sie mich zu ſehen wünſchen, werde ich zu Ihren Befehlen ſein. In Demuth bitte ich Sie um Verzeihung, daß ich Sie ſo zur Unzeit geſtört habe.

Und er verbeugte ſich tief und verließ den Salon.

Gut, ſagte er zu ſich ſelbſt, während er die Treppe hinabſtieg,ich bin erſetzt, und ſie macht mir eine Scene, damit ich ihr keine mache. Deſto beſſer, deſto beſſer, bei meiner Treue! das iſt eine Kette weniger, die mir Zwang anthun wird, und das war nicht die am wenigſten ver⸗ wickelte. Ach! ach! verleugnen wir es uns indeſſen nicht, aus dieſen Ketten iſt der Einſchlag des Lebens gemacht,

und wenn mehrere brechen, ſo zerreißt der Stoff. Er ließ ſich nach ſeinem Hotel zurückfahren.