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Er klingelte, und ſein Kammerdiener kam, um ihn anzukleiden. Er ließ ſich raſiren, beendigte haſtig ſeine Toilette, verlangte ſeinen Wagen und fuhr nach der Jle Saint⸗Louis zu Olympia.
Es war kaum neun Uhr.
Auf dem Wege ſing ſein Blut wieder an durch de genommenen Phosphor und die Erſchütterungen des Wa⸗ gens, zu kreiſen. Er fand in ſeinem Innern beinahe ſeine ganze Liebe für dieſes Bild von Chriſtiane wieder.
„Ja, beim Himmel!“ dachte er,„es wäre ein wahres Ungluͤck für mich, wenn ſich Olympia entfernt hätte. Mir ſcheint, mein Seelenreſt würde mir fehlen. Der göttliche Funke von Chriſtiane wäre erloſchen. Doch bah! ich bin ſehr gut, daß ich glaubte, es ſei Olympia nur eingefallen, abzureiſen. Samuel hat mir das geſagt, um mich zu beunruhigen und mich anzuſtacheln. Hätte ſie nur einen Augenblick den Gedanken gehabt, ihr Plan wäre in der Morgendämmerung mit ihren Träumen ver⸗ ſchwunden. Ich will ſie ſtören, und ſie wird nicht begrei⸗ ſen, warum ich ſie ſo frühzeitig beunruhige.“
Als er an Ort und Stelle kam, ſah Julius einen Wagen vor der Thüre der Sängerin. Doch in ſeiner Unruhe bemerkte er nicht einen andern mit hermetiſch ge⸗ ſchloſſenen Vorhängchen, der ein paar Schritte weiter entfernt anhielt.
Der Zahn der Eiferſucht biß in ſein Herz.
„Ah!“ murmelte er zwiſchen ſeinen zuſammengepreß⸗ ten Lippen,„werde ich ſie mehr ſtören, als ich glaubte? Es ſcheint, ſie empfängt Beſuche, welche frühzeitiger find, als der meinige.“
Er trat in den Hof und ging die Treppe hinauf, ohne mit dem Portier zu ſprechen.
Die Thüre des Vorzimmers war offen. Er fand hier Lord Drummond, der mit dem vertrauten Diener von Olympia parlamentirte.
„Empfängt die Signora noch nicht?“ fragte Julius,


