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Sie war mehr todt als lebendig, und ſie hatte kaum die Kraft, aus ihrem Verſtecke hervorzutreten und das Cabinet zu durchſchreiten, wo ſo erſchreckliche Dinge ge⸗ ſprochen worden waren.
Sie flüchiete ſich in ihr Zimmer.
Der Graf von Eberbach und Samuel ſelbſt, deſſen vertraute Freundſchaft mit ihm bald bekannt werden würde, liefen eine Todesgefahr. Ihr Geiſt war ganz verwirrt von dieſer gräßlichen Wirklichkeit.
Was ſollte ſie thun? Sie konnte doch nicht den Mann, der ſie aufgenommen und erzogen hatte, ſterben laſſen, und ebenſo wenig den Vater von Lothario!
Sie blieb eine halbe Stunde den ſchmerzlichſten Bangigkeiten preisgegeben, und die ſeltſamſten Pläne durchkreuzten ſich in ihrem Innern.
Plötzlich tauchte ein Gedanke in ihrem Geiſte auf.
Sie ſtieg die Treppe hinab und fand Madame Trich⸗ ter im Speiſezimmer.
„Wo iſt Herr Samuel Gelb?“ fragte ſie.
„Er iſt ſo eben ausgegangen.“
„Hat er geſagt, er würde lange ausbleiben?“
„Er hat geſagt, er würde erſt am Abend zurück⸗ kommen.“*
„Es iſt gut. Ich bitte, ziehen Sie Ihre Mante an, wir werden auch ausgehen.“
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