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In dieſem Augenblick erhob ſich ein gewaltiger, aber unentſchiedener Lärmen im Thale. Julius und Chriſtiane ſchauten in der Richtung, woher dieſer Lärmen kam.
Die Straße von Neckarſteinach war ganz ſchwarz von Menſchen. Eine Staubwolke verhinderte, zu unter⸗ ſcheiden, was das war. Ausrufungen, Schreie, verwor⸗ rene Geſänge durch den Wind abgeſchnitten, das war Alles, was man hörte. Alles, was man ſah, war, daß es wohl fünf bis ſechshundert Perſonen ſein mußten.
Dieſer Durcheinander näherte ſich raſch.
Plotzlich klatſchte Julius in die Hände.
„Ja,“ rief er,„es iſt Samuel, der ſein Wort hält.“
„Was willſt Du damit ſagen?“ fragte Chriſtiane.
„Ich will damit ſagen, daß Heidelberg nach Landeck kommt,“ erwiederte Julius.„Samuel hatte es Dir ver⸗ ſprochen, und Alles, was er verſprochen hat, hält er. Doch wie iſt das ſo ſchnell geſchehen! Ja, es ſind wohl meine Kameraden. Nun, da ſie näher kommen, erkenne ich die Studenten der Univerſität. Hörſt Du das Vivallera? Oh! welch eine ſchone Ueberraſchung.“
Und das Auge von Julius, das kurz zuvor geſchlum⸗ mert hatte, erwachte. Chriſtiane wurde nachvenkend.
Die Straße zog ſich unter dem Felſen hin, ungefähr tauſend Schritte von der Stelle, wo Chriſtiane und Julius ſtanden. Der Haufen rückte raſch und behende vor. Bald konnte Julius Samuel an der Spitze der Bande erkennen. Er ſaß zu Pferde, ernſt wie ein Heerführer.
Hinter ihm trug man die große academiſche Fahne.
Die Studenten kamen herbei und waren bald bel Julius und Chriſtiane.
Als er an ihnen vorüberritt, ſchlug Samuel die Angen auf, erkannte ſie und grüßte.
Die Studenten erkannten Julius. Alle Mützen grüßten, und aus Aller Mund erſcholl das lärmendſte Lied, das je menſchliche Ohren gemartert hatte.
„Gute kleine Chriſtiane,“ ſagte Julius,„meine


