Teil eines Werkes 
5.-10. Bdchn (1851)
Entstehung
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Chriſtinne hat Furcht.

Am Nachmittag des andern Tages gegen vier Uhr gingen Julius und Chriſtiane ſpazieren. Sie kamen eben vom Schloß..

In welcher Richtung gehen wir? fragte Julius.

In welcher Du wiliſt, erwiederte Chriſtiane.

Oh! das iſt mir gleichgültig, verſetzte Julius mit einer gewiſſen Trägheit.

Wohl! ſo laß uns zu Gretchen hinaufgehen. Sie iſt dieſen Morgen nicht gekommen, man mußte ihre Ziege holen, und ich bin ein wenig unruhig.

Sie kletterten den Berg hinan, wo die Hütte lag. Chriſtiane kehrte ſich gegen das Thal um und ſagte zu Julius, indem ſie auf den Fluß und den Horizont der Hügel deutete:

Welch ein ſchoͤnes Schauſpiel!

Ja, erwiederte Julius, ohne die Augen dahin zu wenden.

Chriſtiane gab ſich den Anſchein, als bemerkte ſie die Gleichgültigkeit und Abgeſpanntheit ihres Mannes nicht. Sie ſchritt auf die Thüre von Gretchen zu. Die Thüre war geſchloſſen.

Ohne Zweifel iſt ſie mit ihren Ziegen in den Ber⸗ gen, ſagte Julius.

Chriſtiane ging einige Schritte weiter, bis zu der Aushöhlung des Feiſen, wo Gretchen ihre Ziegen einzu⸗ ſtellen pflegte. Die Ziegen waren da.

Das iſt ſonderbar, dachte ſie.

Und ſie kehrte zur Thüre zurück, und rief: Gretchen! biſt Du da? Gretchen! Niemand antwortete.