Kameraden haben mich geſehen, und ich glaube, daß es anſtändig wäre, wenn ich zu ihnen ginge, um ihnen die Honneurs der Gegend zu machen. Du biſt nur zwei Schritte vom Schloſſe entfernt und kannſt ohne mich zu⸗ rückkehren; ich, ich muß es Dir geſtehen, bin ein wenig ungeduldig, wieder Bekanntſchaft mit meinen Kameraden anzuknüpfen und zu erfahren, was das bedeutet.“
„Gehe,“ ſprach Chriſtiane betrübt, ohne zu wiſſen, warum.
Julius ließ ſich das nicht zweimal ſagen. Er küßte Chriſtiane auf die Stirne, ging zum Schein ruhig bis zur Biegung des Fußpfads, und als er hier vorüber war und Chriſtiane ihn nicht mehr ſehen konnte, lief er aus Leibes⸗ kräften und hatte in zwei Minuten die Menge eingeholt.
Chriſtiane ſchaute ihm nach.
„Sobald Samuel da iſt, läuft er zu ihm,“ ſagte ſie zu ſich ſelbſt.
Sie trocknete eine Thräne und wollte ſich eben ent⸗ fernen, als ſie einen Tritt auf dem Sande hinter ſich krachen hörte.
Sie wandte ſich um und ſah Gretchen.
Die kleine Ziegenhirtin hatte ſich ſeit dem vorherge⸗ henden Tage ſehr verändert. Bleich, niedergeſchlagen, die Haare in Unordnung, einen ſchwarzen Kreis um die Augen, ſchien ſie um zehn Jahre gealtert zu haben. Ihre gewöhn⸗ liche Exaltation hatte einem irren Weſen Platz gemacht. geno Trauriges, Unheilvolles ſchwebte über ihrer ganzen
erſon.
„Was haſt Du?“ fragte Chriſtiane,„und woher
kommſt Du?“ „Ich komme aus meiner Stube.“
„Wir haben Dich gerufen, warum biſt Du nicht er⸗ ſchienen?“
„Weil der Herr Graf da war, und ich mich nicht mehr ſehen laſſen will. Nein, ich werde mich vor Nie⸗ mand mehr zeigen. Ich ſchäme mich. Sie, Sie liebe ich
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