der Stärkere, ich gehöre Ihnen, wenn Sie wollen; oh! ſchonen Sie mich! Es iſt noch mächtiger, zu ſchonen, als zu unterwerfen. Oh! wahrhaftig, ich bitte Sie darum. Wozu würde es Sie nützen, boͤſe gegen mich zu ſein? Einem Augenblick der Eitelkeit zu Liebe würden Sie ein ganzes armes Daſein zu Grunde richten. Was würde dann aus mir werden? Bedenken Sie. Fürchten Sie nicht, einmal außer Gefahr werde ich wieder anfangen Ihnen zu mißtrauen. Oh! vas iſt eine Lehre, die ich nie vergeſſen werde. Ich werde es ſogar Frau Chriſtiane ſagen. Ich werde ſein, wie Sie es mir befehlen. Nicht wahr, ich ſage da vernünftige Dinge, und Sie ſehen wohl, daß Sie nicht mehr noͤthig haben, mich zu quälen, und werden mich begnadigen? Was könnte ich mehr thun, da ich zu Ihren Füßen liege? Sie ſind ein Mann, und ich, ich bin nicht einmal eine Frau, ich bin nur ein Kind. Merkt man auf das, was ein Kind hat ſagen oder denken können? Richtet man es für ein Wort, das es geſagt, zu Grunde? Oh! Gnade, mein Herr!“
Und ihr Ausdruck war ſo ſchmerzlich, ſie war ſo vollig niedergeſchlagen, daß Samuel ſelbſt ſich gerührt fühlte. Zum erſten Mal ſchwankte er in ſeinem Entſchluß. Eine Gemüthsbewegung, der er nicht Meiſter war, ergriff ihn vor der Verzweiflung einer ſchneeweißen Züchtigkeit, der ſein Stolz einen vielleicht tödtlichen Flecken zu machen im Begriffe ſtand. War ſie überdies nicht genug bezähmt, genug erobert, genug beſeſſen? War ſie nicht gänzlich in ſeiner Gewalt? Geſtand ſie nicht ſelbſt, daß ſie durchaus von ſeiner Gewalt abhing? Da konnte er großmüthig ſein. Sobald ſie ſich gab, warum ſie nehmen?
Zum Unglück war Gretchen ſehr ſchoͤn, und der Trank wirkte fortwährend. Allmälig ſpannte ſich ihre Ver⸗ zweiflung in ein unbeſtimmtes und pelirirendes Sehnen und Schmachten ab; ſie nahm die Hände von Samuel und bedeckte ſie mit Küſſen, in denen ſchon etwas Anderes


