Teil eines Werkes 
5.-10. Bdchn (1851)
Entstehung
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rückwärts. Doch nicht minder raſch beſänftigt, bebte ſie und ſchaute Samuel zitternd, bereuend, um Gnade fle⸗ hend an.

Ohlich habe Dir wehe gethan, nicht wahr? ſagte ſie

Nein, erwiederte er, und dieſer Marmor ſchien endlich ſich zu beſeelen und ganz und gar zu leben;nein! ich danke Dir! dieſer Schmerz iſt ſüß. Das vermiſcht das Entſetzliche und das Schöne, die Gefahr und die Freude, die Liebe und den Haß, die Hölle und den Him⸗ mel. Das iſt das Unendliche. Das iſt es, was ich in Dir liebe.

Nun wohl! ja, deſto ſchlimmer, ich liebe Dich auch, rief Gretchen.

Doch plötzlich:

Ahl ich bin eine Schändliche! ich will mein Gelübde brechen! Nein, ſterben!

Sie raffte, mit einer Geberde raſcher als der Blitz, ihr Meſſer auf, das im Graſe glänzte, und ſtieß ſich da⸗ mit in die Bruſt.

Samuel hatte ſie beim Arm gepackt. Der Stoß drang nicht tief ein, doch das Blut ſpritzte hervor.

Unglückliches Kind! ſagte er, indem er ſich des Meſſers bemächtigte.Zum Glück habe ich Deinen Arm zu rechter Zeit zurückgehalten. Es wird nichts ſein.

Gretchen ſchien den Stoß nicht gefühlt zu haben. Ihre Augen irrten im Raume umher, als dächte ſie an etwas Anderes. Dann fuhr ſie mit der Hand über die Stirne.

Thut es Dir wehe? fragte er.

Nein, im Gegentheil, das thut mir wohl. Ich komme wieder zum Bewußtſein. Ich begreife nun, und ich ſehe, was ich thun muß.

Sie zerfloß in Thränen, faltete die Hände und ſprach:

Hören Sie, mein Herr, Sie müſſen mich ſchonen. Sehen Sie, Sie müſſen Mitleid mit mir haben. Ich ſchleppe mich zu Ihren Füßen Ich bin beſiegt, Sie find