Teil eines Werkes 
5.-10. Bdchn (1851)
Entstehung
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Doch nach drei Schritten fiel ſie ſtarr nieder und blieb wie eine Todte.

Samuel machte keine Geberdez er rief nur:

Gretchen!

Sie erhob ſich auf ihre Kniee und ſtreckte ihre Arme flehend gegen ihn aus, ohne zu ſprechen.

Nun! komm! ſagte er.

Sie ſchleppte ſich kriechend bis zu ihm.

Ich habe keine Kraft, ſprach ſie,hebe mich auf.

Du verlangſt es von mir?

z neigte ſich, nahm ſie bei beiden Armen und ſtellte e auf.

Oh! Du biſt ſtark! ſagte ſie, wie ſlolz auf ihn; laß mich Dich anſchauen.

Sie legte die Hand auf die Schulter von Samuel und trat ein wenig zurück, um ihn bequemer betrachten zu können.

Du biſt ſchön, ſprach ſie,Du haſt das Ausſehen des Königs der Nacht.

Dies Alles ward mit einer bewunderungswürdigen Anmuth, mit einer unglaublichen Geſchwindigkeit der Be⸗ wegungen, mit einem unwiverſtehlichen Magnetismus in der Stimme geſagt und gethan. Es war bis dahin mehr Angſt als Verſuchung in dem Kampfe dieſer unſchuldigen Seele geweſen. Aber Samuel fühlte ſeine Kaltblütigkeit ſchwinden und ſeine Ruhe an der Gluth dieſes flammenden Herzens ſchmelzen.

Plötzlich ſchlang Gretchen ihre beiden Arme um ſeinen Hals, erhob ſich auf die Fußſpitzen und ſtreifte ſeine Wange mit ihrer Stirne. Von der Leidenſchaft erfaßt, die er in ſie gelegt hatte, drückte er ihr einen Kuß auf die Lippen.

Als ſie ſich berührt fühlte, ſchauerte Gretchen. So⸗ gleich verwandelte ſich ihr Schmachten in Wuth, ſie biß Samuel heftig in die Wange, machte ſich von ſeinen Armen los und ſprang mit einem rauhen Schrei der Entrüſtung