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Ein bemooſtes Haus forderte, daß man Feuer an die Bude von Mühldorf lege.
Ein Fink wurde unter gewaltigem Geziſch ausgetrie⸗ ben, weil er geſagt hatte, man könne ſich damit begnügen, daß die Polizeileute, welche Trichter und ſeine würdige Vertheidiger verhaftet hatten, abgeſetzt werden.
„Donnerwetter und Regenſchirm!“ brüllte ein Gold⸗ fuchs,„die Abſetzung ihrer Chefs müſſen wir haben, und das wäre noch nicht genug.“
Dann folgte ein Durcheinander der wüthendſten und ausſchweifendſten Motionen.
Einer verlangte, man ſollte alle Schneider der Stadt wegen des Verbrechens von Mühldorf beſtrafen, alle Bett⸗ ler der Umgegend zuſammentreiben und ſie mit allem Tuch bekleiden, das ſich in den Buden fände.
Ein Anderer, deſſen Rede man wollte drucken laſſen, behauptete, das wäre noch eine beſcheidene Satisfaction: es ſei bei dieſer Gelegenheit nicht nur ein Schneider, ſon⸗ dern auch ein Schuſter und ein Wurſtmacher betheiligt; ſie haben nicht nur als Schneider, Schuſter und Wurſt⸗ macher Studenten geprügelt, ſondern als Bürger, in Folge des natürlichen Haſſes der Bürger gegen die Studenten; man müſſe ſich daher nicht allein an die Schneider, die Wurſtmacher und die Schuſter halten, ſondern an die Bürger in Maſſe, und die Univerſität wäre nur durch die Plünderung der Stadt ernſtlich gerächt.
Unterhalten durch den Brennſtoff, den die glühendſten Phantaſien ohne Unterlaß darein warfen, war die Discuſ⸗ ſion dem Erloſchen nicht nahe. Samuel Gelb erhob ſich.
Es trat ein tiefes Stillſchweigen ein, der Präſident nahm das Wort und ſprach:
„Meine Herren und theure Kameraden,
„Es ſind vortreffliche Dinge geſagt worden, und die Univerſität wird nur die Wahl haben zwiſchen den ver⸗ ſchiedenen Rachemitteln, welche vorgeſchlagen und entwickelt
wurden. Doch die ehrenwerthen Herren, welche vor mir


