234
„Müßte ich es dulden?“ fragte Trichter gedemüthigt.
„Oh! darin haſt Du vollkommene Freiheit,“ erwie⸗ derte Samuel.„Ich überlaſſe Dich Deinem Inſtinct.“
„Gut alſo!“ rief Trichter kriegeriſch.
„Nimm Deinen Stock.“
„Ich glaube wohl.“
Trichter nahm ſeinen Stock und ſtürzte hinaus.
„So beginnen alle große Kriege!“ ſagte Samuel zu ſich ſelbſt.„Und immer für ein Weib! Chriſtiane wird zufrieden ſein.“
Was ſollte er gegen Prei thun!...
Fünf Minuten nachher trat Trichter bei Mühlvorf ein, den Hut ſchief, ſtreitſüchtig und zum Voraus aufge⸗ bracht über den Empfang, den ihm der Schneider bereiten würde.
Mühldorf empfing ihn mit einem freundlichen Lächeln.
„Haben Sie doch die Güte, ſich zu ſetzen, mein lieber Herr Trichter,“ ſagte er.„Ich bin entzückt, Sie zu ſehen.“
„Bah!“ verſetzte Trichter.„Wiſſen Sie, was mich hierher führt?“
„Ich vermuthe es,“ antwortete der Schneider, ſich die Hände reibend.
„Ich will einen ganzen Anzug bei Ihnen beſtellen.“
„Vortrefflich. Wann wollen Sie ihn haben?“
„Sogleich,“ erwiederte Trichter im höchſten Maße
erſtaunt über die Höflichkeit des Schneiders.„Beeilen ſie ſich, mir das Maß zu nehmen.“ Der Schneider gehorchte voll Eifer. Als er das


