„Mein lieber Herr Mühldorf,
„„Ein Freund benachrichtigt Sie, daß Ihr Schuldner Trichter von ſeiner Mutter fünfhundert Gulden erhalten hat.““
„Schreibſt Du an Mühldorf?“ fragte Trichter.
„An ihn ſelbſt.“
„Und was ſchreibſt Du ihm?“
„Eine Vorrede, einen Eingang in die Materie, die Erpoſitlon eines Luſtſpiels oder eines Trauerſpieis.“
„Ah!“ ſagte Trichter befriedigt, ohne zu begreifen.
Samuel ſchloß den Brief, ſetzte die Adreſſe darauf und gab ihn dem Aufwärter.
„Laſſen Sie das durch den erſten den beſten Geier (Straßenjunge) forttragen, ſchenken Sie ihm dieſe Münze für die Beſorgung. Er ſoll den Brief beſtellen, ohne zu ſagen, woher er kommt.“
Der Aufwärter ging ab.
„Trichter,“ fuhr Samuel ſort,„Du wirſt nun auf der Stelle zu Mühldorf gehen.“
„Wozu?“
„Um Dir einen vollſtändigen Anzug zu beſtellen.“
„Er wird Geld von mir verlangen.“
„Das iſt klar, bei Gott! Doch dann ſchickſt Du ihn zum Teufel.“
„Hm! er iſt im Stande, ſich zu ärgern, wenn ich ihn in ſeinem Hauſe verhöhne.“
„Du wirſt ihn beleidigen, Du wirſt ihn in Verzweif⸗ lung bringen.“
„Aber
„Ah!“ unterbrach ihn Samuel mit ſtrengem Tone, „ſeit wann erlaubt ſich mein Herzfuchs Einwendungen, wenn ſein Senior geſprochen hat? Ich führe Dich, Du haſt nicht nöthig zu ſehen: Du haſt meine Augen. Gehe zu Mühldorf, ſei ſehr frech und ſehr unverſchämt, und bitte Gott, daß der Schneider die Geberde vollende, die er neulich begonnen hatte.“


