230
meiner Mutter Geld zu ſchicken, von ihr verlangte. Ich vertagte meine guten Abſichten. Die Erbſchaft war nicht fett und vaher binnen Kurzem verzehrt, um ſo mehr, als ich Alles vertrunken habe, und bald iſt nicht ein Krümchen, nicht ein Tröpfchen mehr übrig geblieben. Du ſiehſt, daß ich ein großer Schurke bin. Ich ſage Dir dies Alles, um Dir zu erklären, warum ich trinke: um mich zu betäuben. Du ſollſt mich nicht für einen plumpen Säufer, für einen gemeinen Schwamm, für eine Trinkmaſchine halten. Ich bin ein Elender.“
„Aber wie willſt Du denn da herauskommen?“ ſagte Samuel.
„Ich weiß es nicht. Wie es mir möglich ſein wird. Jedes Mittel wäre mir gleich. Ah! daß meine Mutter Brod hätte wenn ich ſterben müßte, ich würde mit Freuden ſterben.“
„Im Ernſte?“ verſetzte Samuel nachdenkend.
„Sehr im Ernſte.“
„Es iſt gut, daß ich das weiß, und ich werde mich
deſſen erinnern,“ ſprach Samuel.„Doch warum haſt Du Dich nicht, ehe es ſo weit kam, an Napoleon ge⸗ wendet, da der Bruder Deiner Mutter in ſeinem Dienſte geſtorben iſt? Er hat die Eigenſchaft großer Männer, daß er diejenigen, welche ihm dienen, zu belohnen weiß. Er würde Deiner Mutter eine Penſion, einen Platz ge⸗ ben, wovon ſie leben könnte.“ „Ich bin Deutſcher; kann ich vom Tyrannen Deutſch⸗ lands etwas fordern?“
„Du biſt Deutſcher, ſehr gut; doch haſt Du mir nicht einmal geſagt, Deine Muiter ſei Franzöſi.?“
„Sie iſt in der That Frarzöſin.“
„Dann ſind Deine Bedenklichkeiten übertrieben. Wir werden wieder davon ſprechen. Für den Augenblick wäre das Dringendſte, Deine Schulden zu bezahlen.“
„Oh! ich habe auf dieſes Utopien verzichtet.“
„Man muß nie auf etwas verzichten. In dieſer
——
—
c F e— 8
——
——
—+—


