Teil eines Werkes 
1.-4. Bdchn (1851)
Entstehung
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Ein zweiter Donnerſchlag, noch furchtbarer und noch mächtiger ſchallend als der erſte, brach gerade über ihren Häuptern los.

Dritte Strophe! ſagte Samuel;ich bin ein be⸗ vorzugter Sänger: der Himmel begleitet mein Lied und der Donner macht das Ritornell.

Wie der Donner noch mächtiger gehallt hatte, ſo ſang Samuel mit ſtärkerer Stimme:

Was kümmr' ich mich um dieſen Donner, Den Sommerhuſten der Natur;

Vom Schrei verzweifelt banger Liebe Haſt, Polterer, nicht eine Spur!

Und als der Donner diesmal im Verzug war, ſagte er, den Himmel anſchauend:

Auf, auf, den Refrain! Donner, du verfehlſt dich gegen den Tact.

Doch in Ermangelung des Donners antwortete der Regen auf den Ruf von Samuel und fing an in Strö⸗ men zu fallen. Bald war es nicht mehr nöthig, die Blitze und die Donnerſchläge herauszufordern, denn ſie folgten ſich ohne Unterbrechung. Julius empfand jene Art von Bangigkeit, der ſich der Muthigſte vor der All⸗ macht der Elemente nicht erwehren kann: die Kleinheit des Menſchen im Zorne der Natur preßte ihm das Herz zuſammen. Samuel ſtrahlte im Gegentheil. Eine fahle Freude ſprang aus ſeinen Augen hervor; er erhob ſich auf ſeinen Steigbügeln; er ſchwang ſeine Mütze, als ob er, wahrnehmend, daß die Gefahr ihn floh, ſie hätte zu ſich rufen wollenz er war freudig, ſeine Schläfe durch ſeine naſſen Haare gepeitſcht zu fühlen: er lachte, er ſang, er war glücklich.

Was ſagteſt Du denn vorhin, Julius? rief er, wie in der Eingebung eines ſeltſamen Dithyrambus:

Du wollteſt in Erbach bleiben? Du wollteſt dieſe Nacht verſäumen? Du weißt alſo nicht, welche wilde