Teil eines Werkes 
9.-13. Bdchn (1850)
Entstehung
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ſitzen zu können, welche er liebte; dann läuft er mit ſeinem Gold in den Straßen umher; dann trifft er eine Frau am Fuß der Guillotine; dann führt er ſie in einen prachtvollen Palaſt, in einen glänzenden Gaſthof, wo er mit ihr die Nacht mit Trinken, mit Singen, mit Muſiciren zubringt, wonach er ſie Lodt findet. Hat er Euch nicht das erzählt?

Ja, ja, rief die Menge,Wort für Wort.

Nun denn! ſprach Hoffmann mit funkelndem Blicke,werden Sie etwa ſagen, das ſei nicht wahr, Doctor? Sie, der Sie die Diamantſpange geöffnet haben, welche das Sammethalsband ſchloß? Ohl ich hätte etwas vermuthen müſſen, als ich den Champag⸗ ner Wein unter dem Halsband herausſiekern ſah, als ich den Brand auf ihren nackten Fuß rollen ſah, und als ihr nackter Fuß, ihr Todtenfuß, ſtatt durch den Brand verſengt zu werden, dieſen auslöſchte.

Ihr ſeht, Ihr ſeht, ſagte der Doctor mit mit⸗ leidsvollen Augen und mit einem kläglichen Ton,ſein Wahnwitz erfaßt ihn wieder.

Wie, mein Wahnwitz! rief Hoffmann,wie, Sie wollen behaupten, das ſei nicht wahr! Sie wollen be⸗ haupten, ich habe die Nacht nicht mit Arſene zuge⸗ bracht, welche geſtern enthauptet worden iſt? Sie wollen behaupten, ihr Sammethalsband ſei nicht das Einzige geweſen, was ihren Kopf auf ihren Schultern feſtgehalten? Sie wollen behaupten, als Sie die Spange geöffnet und das Halsband weggenommen, ſei der Kopf nicht auf den Boden gerollt! Gehen Sie, Doctor, ge⸗ hen Sie, Sie wiſſen wohl, daß das, was ich ſage, wahr iſt!

Meine Freunde, ſprach der Doctor,nicht wahr, Ihr ſeid nun wohl überzeugt?

Ja, ja, ſchrieen die hundert Stimmen der

Menge.

Diejenigen, welche nicht ſchrieen, ſchüttelten, um