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vorüberkam, hielt man ihn an, um zu erfahren, wem er nachlief oder wer ihm nachlief.
Man hielt alſo Hoffmann vor der Mariä⸗Himmel⸗ fahrtskirche an, aus der man eine Wachſtube gemacht hatte, und führte ihn vor den Chef des Poſten.
Hier begriff Hoffmann, welche wirkliche Gefahr er lief; die Einen hielten ihn für einen Ariſtokraten, der davon lief, um ſo ſchnell als möglich die Grenze zu erreichen, die Andern riefen: ein Agent von Pitt und Koburg. Einige riefen: an die Laierne! was nicht luſtig war; wieder Andere ſchrieen: vor das Revolu⸗ tionstribunal! was noch weniger luſtig. Man kehrte zuweilen von der Laterne zurück, hievon zeugte der Abbé Maurh; vom Revolutionstribunal nie.
Da verfuchte es Höffmann, zu erklären, was ihm ſeit dem vorhergehenden Abend begegnet war. Er er⸗ zählte die Geſchichte vom Spiel, von ſeinem Gewinn; wie er, die Taſchen voll Gold, nach der Rue de Ha⸗ novre gelaufen; wie die Frau, die er geſucht, nicht mehr daſelbſt geweſen; wie er unter der Gewalt der Leiden⸗ ſchaft, die ihn verzehrte, in den Straßen von Paris umhergerannt; wie er auf dem Revolutions⸗Platze dieſe Frau am Fuße der Guillotine ſitzend getroffen; wie ſie ihn in ein Hotel der Rue Saint⸗Honoré geführt, und wie er dort, nach einer Nacht, während welcher alle Berauſchungen ſich gefolgt, in ſeinen Armen ruhend nicht nur eine todte Frau, ſondern auch eine enthauptete Frau gefunden.
Dies Alles war ſehr unwahrſcheinlich; die Erzäh⸗ lung von Hoffmann fand auch wenig Glauben: die Fantaſtiſchſten hinſichtlich der Wahrheit ſchrieen über Lüge, die Gemäßigtſten ſchrieen über Tollheit.
Mittlerweile eröffnete einer von den Anweſenden folgendes geiſtvolle Verhör:
„Sie haben, wie Sie ſagen, die Nacht in einem Rue Saint⸗Honors zugebracht?“
„Ja.“


